| Laura Rudolph |
| 23.02.2026 16:20 Uhr |
Frauen haben im Allgemeinen ein kleineres Atemzugvolumen, was auch bei der Verordnung von Pulverinhalatoren beachtet werden sollte. / © Getty Images/ Evgeniya Pavlova
Professor Dr. Dirk Keiner von der Zentralapotheke des St. Georg Klinikums in Eisenach erklärte in seinem Vortrag zur geschlechtersensiblen Therapie von Lungenerkrankungen , wie sich anatomische und hormonelle Unterschiede zwischen Männern und Frauen unmittelbar auf die Symptome und die Therapie auswirken können.
Frauen haben im Durchschnitt eine um etwa 10 Prozent kleinere Lunge sowie eine um 30 bis 50 Prozent geringere Lumenfläche der oberen Atemwege als Männer. Ihre Bronchialabschnitte sind zudem um rund 5 bis 20 Prozent kürzer. Dies führt dazu, dass Frauen bei chronischen Lungenerkrankungen häufig stärker belastet sind und ihre Lebensqualität mehr abnimmt.
Auch hormonelle Faktoren beeinflussen die Atemwege: Estrogene können die Bronchien empfindlicher machen und so die Anfälligkeit für Asthma und Allergien erhöhen, während Testosteron tendenziell einen schützenden Effekt hat. Gleichzeitig reagieren Frauen empfindlicher auf Umweltnoxen. Experimentelle Studien zeigen, dass sich bei ihnen mehr Feinstaubpartikel (< 2,5 µm) in den Atemwegen ablagern. »Rauchen ist, egal in welchem Alter, besonders für Frauen schädlich«, betonte der Referent. Sie erkranken im Durchschnitt früher an COPD – selbst, wenn sie weniger Zigaretten konsumieren als Männer. Außerdem falle ihnen der Rauchverzicht tendenziell schwerer.
Trotz ihrer höheren Vulnerabilität zeigen Frauen bei COPD oft ein besseres Fünf-Jahres-Überleben und profitieren stärker von inhalativen Therapien. Bei Pulverinhalatoren sei jedoch unbedingt zu prüfen, ob ihr Atemzugvolumen für diese Darreichungsform ausreicht.
Die Überlebensraten bei Lungenkrebs sind bei Frauen ebenfalls günstiger, unter anderem deshalb, weil sie bei Symptomen wie Husten oder Heiserkeit früher ärztliche Hilfe suchen und der Krebs daher häufiger in einem früheren Stadium diagnostiziert werde. Gleichzeitig sprechen Frauen tendenziell besser auf Therapien an – »ein Vorteil, den sie sich allerdings mit mehr Nebenwirkungen erkaufen«, wie Keiner anmerkte.
Sein Fazit: Sex und Gender wirken in vielen Bereichen als »stille Krankheitsmodifikatoren«. Wer sie berücksichtigt, verbessere die Versorgung.