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Gehirnforschung
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Wie Belohnung unsere Empathie formt

Psychologen zeigen, wie sich Empathie durch emotionale Belohnung konditionieren lässt. Einfühlungsvermögen ist also weniger eine feste Eigenschaft, sondern laut einer Studie viel mehr das Ergebnis emotionalen Lernens unseres Gehirns.
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 22.01.2026  07:00 Uhr

Emapthie lässt sich trainieren. Wenn Menschen sich durch das Glück anderer belohnt fühlen, beginnt ihr Gehirn, diese Personen zu bevorzugen. Viele verändern dann auch ihr Verhalten. Das zeigt eine Studie von Psychologen vom Dornsife College of Letters, Arts and Sciences der University of Southern California (USC). Die Ergebnisse sind im Fachjournal »Psychological Science« erschienen.

Empathie ist demzufolge keine starre Charaktereigenschaft, sondern lässt sich durchaus erlernen. Entscheidend waren demnach nicht unbedingt gemeinsame Erfahrungen und Werte, sondern wie stark die Freude einer Person emotional mit unserer persönlichen Belohnung verknüpft war.

Die Forschenden sprechen von einer sozialen Variante der pawlowschen Konditionierung. Ähnlich wie Hunde lernen, auf eine Glocke mit Speichelfluss zu reagieren, kann das menschliche Gehirn lernen, sich gut zu fühlen, wenn jemand anderes glücklich ist. Dieser Effekt sei zwar subtil, aber stabil, heißt es. Selbst dann, wenn keine Belohnung mehr im Spiel war, hatte das Gehirn die positive Emotion bereits verknüpft.

Einfühlungsgabe wirkt motivierend

Für die Studie beobachteten die Teilnehmenden in mehreren Experimenten eine Zeichentrickfigur beim Spielen mit einem Hund oder bei einem Sturz vom Fahrrad. Nach jeder Szene erhielten sie Punktegewinne oder -verluste. Wer wiederholt Punkte absahnte, wenn die Figur positive Emotionen zeigte, begann, deren Gefühle mit persönlichem Gewinn zu verbinden.

Später berichtete diese Gruppe von stärkeren empathischen Gefühlen gegenüber der Figur, selbst ohne Aussicht auf weitere Gewinne. Zudem bemühte sich die Gruppe stärker, weitere Belohnungen zu verdienen. Die emotionale Verbindung hatte demnach eine motivierende Kraft.

Am Ende sollten die Teilnehmenden noch ein Geschenk für die Zeichentrickfigur auswählen. Sie wussten vorab, welches ihr gefällt und welches nicht. Wer Empathie gelernt hatte, neigte dazu, nach den Vorlieben der Figur zu entscheiden – oder zumindest länger zu zögern, bevor er sich anders entschied. Auch dann, wenn dies einen Punktverlust bedeutete.

Die Ergebnisse könnten erklären, warum Empathie besonders in kooperativen Umgebungen wächst wie in Klassenzimmern, Familien oder Teams. Und warum sie es in stark wettbewerbsorientierten Kontexten schwerer hat. »Wenn wir verstehen, wie Menschen emotionale Bindungen eingehen, können wir KI entwickeln, die menschlicher reagiert«, so Psychologiedoktorand und Hauptautor Yi Zhang auf der USC Dornsife Website. »Es erinnert uns aber auch daran, wie sehr Empathie von unserem sozialen Umfeld abhängt – und wie wir dieses gestalten können.«

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