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Schwangerschaftsabbruch
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Wie Apotheken begleiten können

Der heutige 28. September ist der Internationale Tag der sicheren Abtreibung. Im PZ-Interview erklärt die Fachapothekerin Sabine Bäumer aus der Eisbärapotheke in Karlsruhe, welche Rolle Apotheken in der Schwangerschaftsabbruchbegleitung spielen können. 
AutorKontaktPaulina Kamm
Datum 28.09.2026  14:00 Uhr

PZ: Welche Berührungspunkte haben Sie mit Patientinnen nach einem Schwangerschaftsabbruch?

Sabine Bäumer: Die Berührungspunkte sind vielfältig und häufig zunächst nicht offensichtlich. Frauen kommen beispielsweise mit Fragen zu Blutungen, Schmerzen, Kreislaufbeschwerden, Erschöpfung, einem möglichen Eisenmangel oder Veränderungen der Regelblutung zu uns. Hinzu kommen Fragen zur erneuten Fruchtbarkeit, Verhütung, zu Schwangerschaftstests oder zur Anwendung von Arzneimitteln. Mindestens ebenso wichtig ist die emotionale Seite. Ein Schwangerschaftsabbruch kann mit sehr unterschiedlichen Gefühlen und Emotionen verbunden sein. Unsere Aufgabe ist nicht, diese zu bewerten oder vorauszusetzen, sondern zuzuhören, Sicherheit zu geben und herauszufinden: Was braucht diese Frau genau jetzt?

PZ: Wie gestaltet sich die Beratung?

Sabine Bäumer: Für mich gehört diese Begleitung genauso zur Frauengesundheit dazu wie Kinderwunsch, Schwangerschaft, Wochenbett und Stillzeit. Wir begleiten Frauen intensiv auf diesen Wegen – deshalb sollte auch die Betreuung nach einem Schwangerschaftsabbruch selbstverständlich dazugehören. Hier sehe ich eine besondere Stärke der Vor-Ort-Apotheke: Wir sind wohnortnah, meist ohne Termin erreichbar und kennen viele unserer Kundinnen über Jahre. Wir können Beschwerden einordnen, zur Arzneimitteltherapie beraten und erkennen, wann unterstützende Maßnahmen vertretbar sind und wann eine ärztliche Abklärung notwendig wird. Ich spreche gerne von einer Ampelfunktion der Apotheke: Ist die Situation »grün«, können wir beispielsweise bei der geeigneten Schmerztherapie, bei Fragen zu Eisen und Mikronährstoffen, Zyklus, Verhütung und der allgemeinen Nachsorge unterstützen. Soweit in der Apotheke angeboten und fachlich angezeigt, können niedrigschwellige Messungen oder Checks zusätzliche Hinweise liefern. Zeigen sich Warnzeichen oder Auffälligkeiten, schaltet die Ampel von Gelb auf Rot: Dann muss die Patientin zeitnah beziehungsweise bei akuten Warnzeichen unmittelbar ärztlich abgeklärt werden. Solche Angebote ersetzen niemals die gynäkologische Diagnostik. Sie zeigen vielmehr, wie Apotheke und Arztpraxis sich sinnvoll ergänzen können.

Wir fragen nicht: Warum haben Sie sich so entschieden? Sondern: Wie geht es Ihnen jetzt, und was können wir für Sie tun?
Sabine Bäumer, Eisbär Apotheke

PZ: Mit welchen Fragen kommen die Frauen zu Ihnen?

Sabine Bäumer: Typische Fragen sind: Wie lange sind Blutungen normal? Sind meine Schmerzen noch im üblichen Rahmen? Wann kommt meine Regel wieder? Warum bin ich so erschöpft? Könnte ein Eisenmangel vorliegen? Wann kann ich wieder schwanger werden, und ab wann muss ich verhüten? Auch ein weiterhin positiver Schwangerschaftstest kann Verunsicherung auslösen. Manchmal steht hinter einer scheinbar einfachen Frage nach einem Schmerzmittel oder Eisenpräparat eine ganz andere Geschichte. Deshalb müssen wir zuhören und Raum für ein vertrauliches Gespräch schaffen.

PZ: Wie schaffen Sie eine Vertrauensatmosphäre?

Sabine Bäumer: Gerade ein Schwangerschaftsabbruch ist kein Thema für ein Gespräch im offenen Verkaufsraum, während andere Kunden mithören. Dafür braucht es einen geschützten Rahmen. Wir nutzen deshalb unsere separaten Beratungsräumlichkeiten und nehmen uns bewusst Zeit. Entscheidend sind Diskretion, Empathie und eine wertfreie Haltung. Wir fragen nicht: Warum haben Sie sich so entschieden? Sondern: Wie geht es Ihnen jetzt, und was können wir für Sie tun? Genau darin sehe ich die moderne Apotheke vor Ort: als geschützten, niedrigschwelligen Ort für Gesundheit, an dem pharmazeutische Kompetenz, Prävention, Früherkennung und menschliche Begleitung zusammenkommen. Wir können zuhören, unterstützen, auch einmal Tränen trocknen, Warnsignale erkennen und die Brücke zur ärztlichen Versorgung schlagen – diskret, vertraulich und ohne Wertung. Selbstverständlich unterliegen auch wir der beruflichen Schweigepflicht. Gerade bei einem so sensiblen Thema zeigt sich für mich, welchen Beitrag die Vor-Ort-Apotheke in einem modernen Gesundheitssystem leisten kann: nah am Menschen, präventiv, aufmerksam und als verlässlicher Lotse zur richtigen Versorgung.

PZ: Wie schätzen Sie die Versorgungslage ein?

Sabine Bäumer: Ich sehe großes Potenzial für eine stärkere Einbindung der Apotheken. Wir wollen und können die Gynäkologie nicht ersetzen. Wir können Ärzte vor Ort aber wirkungsvoll ergänzen: in Prävention und Früherkennung, bei der Arzneimitteltherapie, in der Nachsorge und als Lotse, wenn eine weiterführende medizinische Betreuung notwendig ist. Dabei können Apotheken auch Aufgaben übernehmen, für die in der ärztlichen Praxis nicht ausreichend Zeit zur Verfügung steht – außer, es ist akut und ein Notfall. Gerade darin sehe ich eine Chance für ein partnerschaftliches Miteinander der Gesundheitsberufe – mit der Patientin im Mittelpunkt. Dieses Verständnis gilt für uns nicht nur in der Frauengesundheit. Wir sehen die Vor-Ort-Apotheke als starken Gesundheitspartner für Frauen, Männer und Kinder. Dort, wo ärztliche SOS-Medizin diagnostiziert und behandelt, können wir präventiv begleiten, Risiken frühzeitig erkennen und im entscheidenden Moment auch ein klares Stoppsignal geben: Hier reicht die Betreuung in der Apotheke nicht mehr – hier muss ein Arzt übernehmen.

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