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Cannabis-Sucht
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Wer und was hilft beim Aufhören?

Cannabis ist eine der am häufigsten konsumierten Drogen. Und auch wenn es legal ist, kann es abhängig machen. Auf dem Weg aus der Sucht muss man wissen, was zu ihr geführt hat – und kann da ansetzen.
AutorKontaktdpa
Datum 26.04.2024  15:00 Uhr

Eine Abhängigkeitsentwicklung ist bei allen psychoaktiven Substanzen ähnlich, sagt Eva Hoch. «Es ist immer ein bio-psycho-soziales Bedingungsgefüge.» Hoch ist Professorin an der Charlotte-Fresenius-Hochschule in München und Leiterin der Forschungsgruppe Cannabinoide an der LMU München.

Biologisch wirkt Cannabis im Gehirn vor allem über die psychoaktive Substanz Tetrahydrocannabinol, oder kurz THC. Es bindet unter anderem an Cannabinoid-Rezeptoren und beeinflusst damit die Freisetzung von Neurotransmittern, insbesondere Dopamin, das stark mit unserem Belohnungssystem verbunden ist. Außerdem kann etwa eine genetische Veranlagung für eine Suchtentwicklung eine Rolle spielen, wenn in der Familie ein solches Krankheitsbild vorkommt.

Psychologisch spielen Lernprozesse eine Rolle, bei denen positive Effekte des Konsums verstärkt werden. «Cannabis kann stark psychisch abhängig machen, vor allem, wenn es gezielt als dysfunktionale Bewältigungsstrategie eingesetzt wird», so Andrea Benecke, Präsidentin der Bundes-Psychotherapeuten-Kammer (BPtK): «Damit ist gemeint, dass man unangenehme Gefühle, wie Stress, Unsicherheit oder Angst durch die entspannende Wirkung von Cannabiskonsum kurzfristig gut reduzieren kann. Das Gehirn lernt auf diese Weise, dass es die Droge braucht, um mit Problemen und Stress umzugehen.»

Der soziale Kontext schließlich, in dem jemand aufwächst und lebt, beeinflusst ebenfalls die Wahrscheinlichkeit einer Abhängigkeit, so Psychotherapeut Steffen Landgraf. Vor allem Faktoren wie der Zugang zu Cannabis und sozialer Druck können eine Abhängigkeit bei Cannabis begünstigen. Dabei gilt: «Je früher Cannabis konsumiert wird, desto riskanter», so Diana Schulz, Sprecherin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Was sind Anzeichen für ein problematisches Cannabis-Konsumverhalten?

Wenn man das Gefühl hat, dass der eigene Cannabiskonsum problematisch geworden ist oder dass man ihn nicht mehr im Griff hat, sollte man das ernst nehmen, heißt es von der BZgA. Steffen Landgraf: «Eine der wichtigsten Fragen, die man sich als jemand, der potenziell süchtig ist, stellen könnte, lautet nicht: 'Woran erkennt man, dass man süchtig ist?', sondern: 'Woran erkennen es die anderen?'»

Menschen, die von Cannabis abhängig sind, zeigen mindestens drei der folgenden Verhaltensweisen, so Andrea Benecke:

  • Es besteht ein starker Drang, die Substanz zu konsumieren, dem nur schwer widerstanden werden kann.
  • Sie müssen immer größere Mengen konsumieren, um die gewünschte Wirkung zu erzielen (Toleranzentwicklung).
  • Nach einem Konsum-Stopp kommt es zu Entzugserscheinungen wie Unruhe, Reizbarkeit oder Schlaflosigkeit.
  • Auch wenn die Betroffenen den Wunsch verspüren, den Konsum dauerhaft zu reduzieren oder einzustellen, schaffen sie es nicht.
  • Das Leben wird immer stärker auf den Konsum und die Erholung von den Nachwirkungen des Konsums ausgerichtet und wichtige Lebensbereiche, wie das Berufsleben oder soziale Kontakte, werden zunehmend vernachlässigt.
  • Der Konsum wird trotz spürbarer negativer Folgen des Konsums fortgeführt.

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