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Psychosomatik
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Wer einsam ist, hat ein höheres Diabetesrisiko

Einsamkeit und soziale Isolation sind schmerzliche emotionale Erfahrungen. Zudem begünstigen sie körperliche Erkrankungen und sind bedeutende Risikofaktoren für die Entstehung eines Typ-2-Diabetes.
AutorKontaktBrigitte M. Gensthaler
Datum 16.02.2026  11:00 Uhr

»Einsamkeit schmerzt wie eine tiefe Wunde und kann das gesamte Lebensgefühl des betroffenen Menschen dominieren«, berichtete Professor Dr. Karl-Heinz Ladwig, TU München, kürzlich beim Kongress »Diabetologie grenzenlos« in München. Sie habe aber nicht nur eine emotionale Komponente, sondern auch erhebliche Auswirkungen auf die somatische Gesundheit.

Sachlich betrachtet ist Einsamkeit das subjektive Gefühl, dass es an gewünschter Zuneigung und Nähe zu einem wichtigen oder intimen Menschen (emotionale Einsamkeit) oder zu engen Freunden oder Familienangehörigen (relationale Einsamkeit) mangelt. »Betroffene beschreiben es als ein Gift, das durch den Körper wandert und das Leben bestimmt«, erklärte der Professor für Psychosomatische Medizin am TUM Klinikum Rechts der Isar. Dagegen beschreibe der Begriff »soziale Isolation« die objektive Situation eines Menschen, der beispielsweise allein lebt.

Es gebe auch viele Menschen, die in einer Partnerschaft oder in Gemeinschaften leben und sich dennoch einsam fühlen. Dies sei mitunter noch schmerzhafter als Einsamkeit bei Alleinlebenden.

Einsamkeit ist in Deutschland weitverbreitet. Nach Daten des Sozialberichts der Bundesregierung 2024 ist die Prävalenz seit der Coronapandemie deutlich gestiegen. Etwa 16 bis 19 Prozent der Menschen in Deutschland fühlten sich häufig oder oft einsam, berichtete Ladwig. Noch höher liege die Häufigkeit beispielsweise bei alleinstehenden älteren Menschen oder alleinerziehenden Frauen. Stark zugenommen habe die Einsamkeitsrate bei jüngeren Menschen.

Erhöhte Mortalität

Andauernde Einsamkeit beeinflusst den Körper erheblich. Sie sei mit einem erhöhten Mortalitätsrisiko und ganz bedeutsam mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert, hier vor allem mit koronarer Herzerkrankung und Schlaganfällen, mahnte der Experte für Psychokardiologie.

Zudem sei Einsamkeit ein starker Risikofaktor für metabolische Erkrankungen, unter anderem Typ-2-Diabetes, und erhöhe die Komplikationsrate erheblich. In einer Metaanalyse von neun prospektiven Kohortenstudien mit rund 1,1 Millionen Personen dokumentierten die Autoren in einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 10,7 Jahren knapp 51.000 neue Typ-2-Diabetes-Erkrankungen. Bei Einsamkeit war das relative Risiko, einen Diabetes zu entwickeln, um 32 Prozent erhöht, während soziale Isolation mit einem um 20 Prozent höheren Risiko verbunden war.

Als mögliche Gründe nannte Ladwig selbstschädigendes Verhalten, mangelnde Achtsamkeit und weniger Therapieadhärenz, aber auch psychobiologische Faktoren wie Dysfunktionen in endokrinen, metabolischen und immunologischen Systemen. Psychosoziale Screenings und Interventionen sollten in der klinischen Praxis nicht nur bei Depression und Angstzuständen, sondern auch bei Einsamkeit eingesetzt werden. Die Förderung sozialer Verbundenheit könne eine wertvolle Strategie zur Diabetesprävention sein.

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