| Daniela Hüttemann |
| 17.02.2026 12:22 Uhr |
Aktuell würden in Deutschland nur 1,8 Prozent der Menschen mit Adipositas mit einem solchen Inkretin-Mimetikum behandelt, berichtete Aberle – obwohl die Medikamente (richtig und über einen längeren Zeitraum angewendet) äußerst effektiv sind. Dies liege an der mangelnden Erstattungsfähigkeit, was aber wohl angesichts der schlechten Kassenlage auf absehbare Zeit so bleiben dürfte – zumindest so lange keine Komorbidität wie Typ-2-Diabetes vorliegt.
Dies ist bislang die einzige Indikation, bei der die Mittel erstattet werden. Mit Zulassungserweiterungen bei Fettlebererkrankung (MASH), Schlafapnoe, Niereninsuffizienz sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist angesichts der wachsenden Studienlage zu rechnen. Zudem gebe es eine »gigantische Pipeline« neuer Moleküle gegen Übergewicht sowie neue Formulierungen.
Die hohen privat zu tragenen Kosten treiben mitunter einige Anwender in den Off-Label-Gebrauch. Da wird oft eigenmächtig die Dosis reduziert oder das Dosisintervall verlängert, erzählte der Referent. Das kann mitunter funktionieren, sollte aber doch mit dem Arzt abgesprochen werden.
Und auch die Abnehmspritzen sind keine Wundermittel: Wer profitieren will, muss sie über einen ausreichend langen Zeitraum anwenden. Es dauere zwölf bis 14 Monate bis zum vollen Effekt – viele hören aber nach sechs Monaten auf, noch dazu unkontrolliert, weiß Aberle aus der Praxis. »Wenn man damit anfängt, sollte man es mindestens ein Jahr anwenden.«
Vor allem fehle es aber auch noch an Strategien, das reduzierte Gewicht nach Absetzen der Medikamente zu halten. »Das braucht viel Disziplin und eine intensive Lebensstiltherapie«, so Aberle. Eine Möglichkeit könne sein, die Abnehmspritze weiter in niedrigerer Dosierung anzuwenden, um das Gewicht stabil zu halten.
Eine gute Beratung erfordere auch das Nebenwirkungsmanagement. Überaus häufig setzen Patienten ihr Inkretin-Mimetikum frühzeitig ab – vor allem aufgrund der gastrointestinalen Effekte wie Übelkeit und Verstopfung.
Der Arzt spricht das Thema proaktiv bei seinen Patienten an, um sie darauf vorzubereiten. Er betont dabei, dass die »Nebenwirkungen« einer Nicht-Therapie wie dem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko weitaus größer seien. Zudem treten die gastrointestinalen Effekte meist verstärkt zu Therapiebeginn auf. Die Aussicht, dass es besser wird, kann die Adhärenz fördern.
Eine langsamere Dosiseskalation kann ebenfalls eine Option sein. Kleine, gut verdauliche Mahlzeiten, für die sich der Patient viel Zeit nimmt und sie gut kaut, können die Probleme ebenfalls reduzieren. Zudem können Ärzte bei starker Übelkeit zusätzlich Metoclopramid oder (off Label) Ondansetron verordnen.
Um den Abbau von Muskelmasse aufzuhalten, ist zudem der Hinweis auf eine proteinreiche Ernährung und Krafttraining wichtig.