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Blutdruck und Psyche
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Weniger niedergeschlagen bei hohem Blutdruck

Eine Leipziger Forschergruppe stellt in einer »Nature«-Publikation einen Zusammenhang zwischen Bluthochdruck und psychischer Gesundheit her. Mit einer Hypertonie fühlen sich Patienten demnach wohl – ein möglicher Grund für Non-Adhärenz bei Blutdrucksenkern?
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 14.04.2023  18:00 Uhr

Ein idiopathischer Bluthochdruck entwickelt sich in der Regel über einen langen Zeitraum hinweg, sodass der Körper sich daran anpasst und die Veränderung vom Betroffenen gar nicht bemerkt wird. Nichtsdestotrotz kann sich ein erhöhter Blutdruck auf die psychische Gesundheit auswirken, etwa indem Barorezeptoren, mit denen der Blutdruck überwacht wird, die aber auch für die Verarbeitung von sensorischen Reizen zuständig sind, durch die Überbelastung mit der Zeit abstumpfen. Darüber hinaus werden weitere mögliche Mechanismen der Interaktion zwischen Blutdruck und Psyche diskutiert. Das Bild ist komplex und nicht eindeutig: Frühere Studien hatten gemischte und zum Teil widersprüchliche Ergebnisse gezeigt.

Vor diesem Hintergrund wertete eine Gruppe von Forschern des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften (MPI CBS) in Leipzig nun Daten aus der UK Biobank aus. Berücksichtigt wurden 502.494 Personen (Frauenanteil 54,4 Prozent) in einem Alter von median 58 Jahren. Von 47.933 Teilnehmern waren zudem Daten aus einer Follow-up-Untersuchung verfügbar, die im Durchschnitt neun Jahre später stattgefunden hatte.

»Wir konnten zeigen, dass ein höherer Blutdruck mit weniger depressiven Symptomen, größerem Wohlbefinden und geringerer emotionsbezogener Gehirnaktivität verbunden ist«, fasst Erstautorin Dr. Lina Schaare die Ergebnisse der in »Nature Communications« publizierten Arbeit in einer Pressemitteilung des Instituts zusammen. Unter dem letzten Punkt ist eine verringerte Aktivität im Mandelkern (Amygdala) im Gehirn zu verstehen, der für die Emotionsverarbeitung wichtig ist.

Im Gegensatz dazu war die psychische Gesundheit von Probanden, die erst im Verlauf einen Bluthochdruck entwickelten, zunächst – also bei noch normalen Blutdruckwerten – vergleichsweise schlechter. »Wir vermuten, dass bei Personen, die sich mit vorübergehend höherem Blutdruck mental gut fühlen, ein Verstärkungslernen letztlich zur Entwicklung von dauerhaftem Bluthochdruck beiträgt«, erklärt Seniorautor Professor Dr. Arno Villringer dieses Teilergebnis. Wird die Hypertonie dann medikamentös gesenkt, fühlen sich Betroffene häufig müde und abgeschlagen – und nehmen die verordneten Medikamente nicht ein. Möglicherweise könnte die Adhärenz bei Blutdrucksenkern also verbessert werden, wenn die Wechselwirkung des Blutdrucks mit dem psychischen Wohlbefinden des Patienten stärker berücksichtigt würde.

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