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Lungenkrebs durch Radon
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Wenig Lüften erhöht das Risiko 

Bei kalten Temperaturen bleiben Fenster zu. Doch damit reichert sich ein potenziell tödliches Gas stärker an. Man riecht und sieht es nicht. Strahlenschutz-Experten raten zu Messungen gerade jetzt im Winter.
AutorKontaktdpa
Datum 28.01.2026  11:00 Uhr

Wo kommt Radon her?

Das radioaktive Edelgas entsteht beim natürlichen Zerfall von Uran und Radium im Boden. In Deutschland stellt es vor allem in gebirgigen Regionen ein Gesundheitsrisiko dar. Hohe Radonkonzentrationen gibt es dem Lungeninformationsdienst zufolge etwa im Erzgebirge sowie in Teilen des Bayerischen Waldes und des Saarlands.

In der Außenluft verdünnt sich das Gas schnell und stellt normalerweise kein Problem dar. Allerdings gelangt es aus dem Untergrund durch Risse im Fundament, undichte Rohrdurchführungen, Kabelschächte oder offene Poren in Wänden auch in Häuser.

Die höchsten Radonkonzentrationen treten typischerweise in Kellern und Erdgeschossen auf. Über Treppenhäuser, Schächte, Kamine, Kabelkanäle oder undichte Decken kommt das Gas aber auch in obere Etagen, verstärkt durch den – abgemildert auch im Sommer vorhandenen – Kamineffekt: Warme Luft steigt auf und saugt Luft von unten nach.

Gibt es Grenzwerte?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat basierend auf Lungenkrebsrisiken einen Referenzwert von 100 Becquerel pro Kubikmeter Raumluft für die maximal akzeptable Radonkonzentration festgelegt. Deutschland legte einen weit weniger strengen Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter für Aufenthaltsräume wie Wohn- und Schlafzimmer sowie Arbeitsplätze in Gebäuden fest.

»Weil die Radonkonzentrationen über das Jahr hinweg stark schwanken, wird für die gesundheitliche Bewertung der Jahresdurchschnittswert herangezogen«, heißt es vom BfS. »Auch bei einem großen Unterschied zwischen Winter und Sommer können die Radon-Werte in einem Gebäude im Durchschnitt im Normalbereich liegen.«

Dem BfS zufolge sind rund 10,5 Millionen Menschen in Wohnräumen mit Werten über 100 Becquerel pro Kubikmeter belastet, etwa zwei Millionen überschreiten den Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter.

Wie erkenne ich, dass meine Wohnung betroffen ist?

Erste Hinweise liefern Deutschlandkarten auf den Internetseiten des BfS, in denen sich über eine Orts- oder Postleitzahlensuche nach der eigenen Adresse suchen lässt. »Aussagen zu Einzelgebäuden sind aus den Prognose-Karten niemals ableitbar. Sie können nur durch Messungen im jeweiligen Gebäude getroffen werden«, heißt es dazu aber.

Es sei auch nicht möglich, von der Situation in einem Haus auf die Situation im Nachbarhaus zu schließen. »Sowohl die Situation im Boden als auch die baulichen Gegebenheiten und das Nutzerverhalten können sich von Haus zu Haus deutlich unterscheiden.«

Das BfS rät dazu, gerade die kalte Jahreszeit für eine Radon-Messung zu nutzen. »Wenn die Radon-Werte im Winter niedrig sind, kann man recht sicher sein, dass sie es im Sommer auch sind«, erläutert Dr. Bernd Hoffmann, Radon-Experte beim BfS.

Sogenannte passive Radon-Messgeräte sind dem BfS zufolge die einfachste Möglichkeit für eine Radon-Messung. Man stelle sie selbst in der Wohnung auf und schicke sie nach Ende der Messung an den Anbieter zurück, der sie auswerte und das Ergebnis mitteile. Pro Messegerät koste das zwischen 30 und 50 Euro.

Wichtig: Wer viel im Homeoffice arbeitet, sollte neben Wohn- und Schlafzimmer auch den privaten Büroraum in die Messung einbeziehen.

Wenn der Wert zu hoch ist, reduziert regelmäßiges Stoßlüften durch weit geöffnete Fenster die Radonkonzentration im Erdgeschoss schnell. Kellertüren sollten nach Empfehlung von Experten geschlossen und abgedichtet sein. Abdichten sollte man zudem Risse, Fugen, Rohrdurchführungen und Kabelschächte im Boden oder an Wänden des Erdgeschosses mit Erdkontakt. In Einzelfällen wird eine Art Drainage unter dem Boden des Hauses oder spezielle Lüftungsanlagen empfohlen. Für Neubauten oder Sanierungen gibt es gasdichte Bodenplatten oder Radon-Sperrfolien.

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