Radon gelangt durch Risse im Fundament oder undichte Rohrführungen in Kellerräume und über Treppenhaus und Schächte auch in obere Etagen. / © Adobe Stock/Francesco Scatena
Bei eisigen Temperaturen lüften viele Menschen weitaus seltener. Das kann die Belastung mit radioaktivem Radon in der Wohnung deutlich erhöhen, warnt das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in Salzgitter. »Man sollte auch im Winter daran denken, ein häufig genutztes Zimmer oder ein Büro im Keller gut zu lüften.« Das solle möglichst per Durchzug kurz und intensiv geschehen. Und zwar täglich: Die Radonkonzentration steige innerhalb von wenigen Stunden nach dem Lüften wieder auf das alte Niveau. Das farb- und geruchlose Gas ist nach Tabakrauch die wichtigste Ursache für Lungenkrebs.
In einem ungelüfteten Kellerraum könne die Radonkonzentration im Winter je nach Gebäude um den Faktor fünf bis zehn höher liegen als in einem gut gelüfteten Raum im Sommer, hieß es vom BfS.
Zudem entsteht dem Lungeninformationsdienst des Helmholtz Zentrums München zufolge in Häusern ein kaum spürbarer Unterdruck, wenn die warme Heizungsluft im Winter im Haus aufsteigt. Über die Sogwirkung wird verstärkt radonhaltige Luft aus dem Untergrund in das Gebäude gesaugt. Über Treppen, Aufzüge oder Kaminschächte erreicht das Gas die höher liegenden Etagen.
Ein zusätzliches Problem ist den Helmholtz-Experten zufolge, dass im Zuge von Energiesparmaßnahmen viele Gebäude besser isoliert wurden – aber damit auch stärker von der Außenluft abgeschirmt. Die Radonkonzentration sei in Deutschland jedoch regional sehr unterschiedlich hoch.
Radon-Zerfallsprodukte lagern sich in der Lunge ab und verursachen durch Alpha-Strahlung Zellschäden, was das Gas zur zweithäufigsten Lungenkrebsursache nach dem Rauchen macht. Je 100 Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m³) Raumluft steigt das relative Risiko dem Lungeninformationsdienst zufolge um geschätzt etwa 16 Prozent. »Je höher die Radonkonzentration in der Raumluft ist, und je länger wir uns dort aufhalten, desto höher wird das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken.« Bis zum tatsächlichen Ausbruch der Krankheit vergingen dabei oft Jahrzehnte. Aufgrund einer starken Wechselwirkung treten die meisten radon-verursachten Lungenkrebsfälle bei Rauchern auf.
In der EU sterben dem BfS zufolge jährlich etwa 20.000 Menschen an Radon-bedingtem Lungenkrebs, in Deutschland rund 2.800. Akute gesundheitliche Beschwerden wie Kopfschmerzen und Asthma verursacht Radon nicht.