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Multimorbidität
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Welche Laborwerte ein erhöhtes Risiko anzeigen können

Die Anfälligkeit für chronische Erkrankungen nimmt mit dem Alter zu. Forscher haben nun sieben Laborwerte identifiziert, die frühzeitig auf eine drohende Multimorbidität hinweisen können.
AutorKontaktJohanna Hauser
Datum 06.02.2026  10:00 Uhr

Der gemeinsame Ursprung chronischer Erkrankungen im Alter könnte nach der sogenannten Geroscience-Hypothese eine Mischung aus vermehrten biologischen Defiziten und erschöpften physiologischen Ressourcen sein. Dazu zählen eine gestörte Energieproduktion in den Mitochondrien, eine verminderte Bereitstellung von Nährstoffen, die Alterung der Zellfunktionen und vermehrte Entzündungsreaktionen.

Ob sich Biomarker identifizieren lassen, die frühzeitig auf die Entwicklung chronischer Krankheiten hinweisen können, haben Forschende um Alice Margherita Ornago vom Karolinska Institut in Stockholm untersucht. Dazu analysierten sie Studiendaten der »SNAC-K-Kohorte« (»Swedish National study on Aging and Care in Kungsholmen«). Sie suchten nach möglichen Zusammenhängen zwischen abnormen Biomarker-Werten und chronischen Erkrankungen. Die Ergebnisse veröffentlichten sie kürzlich im Fachjournal »Nature Medicine«.

Im Rahmen der Langzeitstudie, die seit 2001 läuft, werden Senioren alle sechs Jahre untersucht. Bei der Erstuntersuchung wurden Blutproben von 2247 Teilnehmenden genommen. In den darauffolgenden 15 Jahren entwickelten die meisten Teilnehmer gleich mehrere chronische Erkrankungen.

Sieben auffällige Werte

Den Forschern fielen sieben Laborwerte auf, die signifikant mit Multimorbidität verbunden waren. Fünf dieser Werte waren bei allen Erkrankungen erhöht – und zwar meist bereits vor Diagnosestellung. Dabei handelte es sich um den Growth Differentiation Factor 15 (GDF15), Cystatin C, Hämoglobin A1c (HbA1c), Leptin und Insulin. Insbesondere GDF15 war deutlich mit dem Auftreten chronischer Erkrankungen assoziiert. Als Stressprotein wird es insbesondere bei Störungen der mitochondrialen Funktion freigesetzt. Cystatin C dient als Marker für die Nierenfunktion und gibt Hinweise auf das kardiovaskuläre Risiko. HbA1c, Leptin und Insulin zeigen als Marker des Glucose- und Fettstoffwechsels mögliche Störungen an.

Ebenso waren erhöhte Werte der Gamma-Glutamyltransferase (GGT) sowie erniedrigtes Albumin mit einem raschen Fortschreiten der Erkrankungen infolge einer Leberfunktionsstörung verbunden. Ferner war ein Anstieg von »Neurofilament light chain« (NfL), einem Marker für den Zelluntergang im Gehirn, mit einer erhöhten Anfälligkeit für neuropsychiatrische Erkrankungen verbunden.

»Dies eröffnet die Möglichkeit, mithilfe einfacher Bluttests Personen mit hohem Risiko zu identifizieren, sodass in Zukunft frühzeitiger eingegriffen werden kann«, fasste Seniorautor Professor Dr. Davide Liborio Vetrano das klinische Potenzial der Ergebnisse in einer Mitteilung des Instituts zusammen.

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