| Christina Hohmann-Jeddi |
| 21.01.2026 09:00 Uhr |
Von Reizdarm sind 10 bis 20 Prozent der Deutschen betroffen. Die Erkrankung geht mit Durchfällen oder Verstopfungen einher. / © Getty Images/Rattankun Thongbun
Besonders häufige Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts mit hoher Relevanz für die Beratung in der Apotheke stellte Professor Dr. Thomas Weinke vom Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam beim Fortbildungskongress Pharmacon in Schladming vor.
So leiden etwa 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland an gastroösophagealer Refluxkrankheit, bei der Mageninhalt in die Speiseröhre zurückfließt, unangenehme Symptome verursacht und das Gewebe schädigen kann. Die typischen Symptome sind Sodbrennen und Völlegefühl, aber auch Husten, Heiserkeit und Brustschmerzen können auftreten.
Zu einem Rückfluss des Mageninhalts kann es kommen, wenn der Schließmuskel am Übergang von Speiseröhre zu Magen nicht mehr ausreichend schließt. Eine Ursache kann eine Hiatushernie (Zwerchfellbruch) sein. Bei langfristigem Reflux kann die Säure das Gewebe angreifen, eine Entzündung und Zellveränderungen verursachen, die im schlimmsten Fall in einem Karzinom enden. »In frühen Stadien kann man diese Entwicklung aber gut stoppen«, betonte Weinke.
Mittel der Wahl zur medikamentösen Behandlung sind Protonenpumpeninhibitoren (PPI). Akut sollte eine Refluxerkrankung mit diesen Wirkstoffen für vier Wochen (in niedriger Dosierung) beziehungsweise acht Wochen in höherer Dosierung behandelt werden, wenn eine Ösophagitis vorliegt, sagte der Mediziner. »Insgesamt werden PPI in Deutschland aber zu viel und zu lange eingesetzt.« Zum einen haben auch Histaminrezeptor(H2)-Antagonisten, Alginate und Antacida noch ihren Stellenwert. Zum anderen müssten die PPI in den seltensten Fällen dauerhaft eingesetzt werden. »Hierfür sollten wir die Sensibilität bei den Patienten schaffen, die PPI zum Teil über Jahre erhalten.«
Professor Dr. Thomas Weinke / © PZ/Alois Müller
Alginate und Antacida könnten etwa genutzt werden, um die PPI-Dosis zu reduzieren und so die Therapie auszuschleichen. Patienten könnten dann die Arzneimittel intermittierend einsetzen – wenn die Beschwerden zurückkommen. Für einen Langzeitgebrauch der PPI als Magenschutz bei Polymedikation sowie für die PPI-Gabe unter Antibiotikatherapie sieht Weinke keine Rationale.