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Nachweis schwierig
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Was tun bei Verdacht auf K.-o.-Tropfen

Keine offenen Getränke im Club abstellen, aufeinander aufpassen – und sich Hilfe holen, wenn man Opfer von K.-o.-Tropfen wird, sind wichtige Ratschläge für Partygänger. Ein Nachweis ist nicht einfach. Was Betroffene beachten sollten und was der Landesapothekerverband Sachsen-Anhalt zu Teststreifen rät.
AutorKontaktdpa
AutorKontaktPZ
Datum 04.02.2026  12:30 Uhr

In die Notaufnahmen der Universitätskliniken in Halle und Magdeburg kommen häufig Menschen mit Vergiftungen oder Überdosierungen von berauschenden Substanzen. Allerdings ist es für die Notärzte schwer auszumachen, welche Substanz vorliegt und ob es sich dabei um eine Fremdeinwirkung handelt. »Dann können wir nur die Betroffenen befragen«, sagt Christoph Keil, Facharzt für Anästhesiologie und Intensivtherapie an der Uniklinik Magdeburg, in einem dpa-Bericht über K.-o.-Tropfen in Sachsen-Anhalt. Seien die Personen nicht mehr ansprechbar, würden eventuell Angehörige konsultiert. Zuallererst aber müssten die physischen Funktionen wie Atem und Kreislauf stabilisiert werden.

Ein Nachweis sei nicht immer leicht, sagt Tim Pottel, geschäftsführender Oberarzt der zentralen Notaufnahme in Halle. Solche Substanzen könnten nur innerhalb von ein paar Stunden im Blut oder im Urin nachgewiesen werden – was gerade nachts am Wochenende nicht so schnell ausgewertet werden kann. Darüber hinaus spiele auch der psychische Zustand der Betroffenen eine Rolle. »Oft entscheiden sich die Betroffenen gegen einen rechtsmedizinischen Beistand in diesem Fall«, sagt Pottel. Ohne Einschätzung des Rechtsmediziners sei es im Nachhinein aber nicht mehr möglich, eine Anzeige zu erstatten.

Teststreifen schlagen nicht immer an

Mittlerweile gibt es auch Teststreifen für Getränke in Versandapotheken und auf Online-Plattformen zu kaufen – der Landesapothekerverband Sachsen-Anhalt rät allerdings zu einer Beratung in der Apotheke vor Ort. »Besonders kritisch ist das Risiko eines falschen Sicherheitsgefühls«, erklärt der Vorsitzende Mathias Arnold. So existieren laut Arnold über hundert Substanzen, die missbräuchlich eingesetzt werden könnten. Die Teststreifen hingehen schlagen meist nur bei einer begrenzten Auswahl von Stoffen an.

Auch das Getränk selbst kann den Test verfälschen: Farbstoffe, Zucker, der Alkoholgehalt oder Milch können die Färbung des Teststreifens beeinflussen. So könne etwa ein negatives Ergebnis angezeigt werden, wenn beispielsweise in einem halben Liter Bier nur eine geringe Menge K.-o.-Tropfen vorkommt – die aber trotzdem eine Gefahr darstellt. Bisher gibt es den Verbandsangaben zufolge eher wenige Käufer dieser Teststreifen.

Das Landeskriminalamt (LKA) in Sachsen-Anhalt erfasste in den vergangenen fünf Jahren 72 Anzeigen im Zusammenhang mit K.-o.-Tropfen und Sedierung, verweist aber auf eine hohe Dunkelziffer: Weil die Datenlage nicht eindeutig sei und weil solche Fälle nicht immer zur Anzeige gebracht würden.

Am wichtigsten ist, beim Feiern darauf zu achten, dass es gar nicht erst soweit kommt. Also sein Getränk in der Hand behalten und nichts von Fremden annehmen. Zudem sollte man aufeinander achten. Wenn man sich unwohl fühlt oder unsicher fühlt oder oder etwa eine unerklärliche Veränderung seines Zustands bemerkt, sollte man das Barpersonal ansprechen, das im besten Fall geschult ist, erklärt Serafina Blaas aus Halle. Als Awareness-Trainerin führt sie unter anderem zu diesem Thema Workshops für Veranstaltungspersonal durch. Im Zweifelsfall sollte man immer so schnell wie möglich medizinische Hilfe in Anspruch nehmen.

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