| dpa |
| PZ |
| 04.02.2026 10:50 Uhr |
Tuberkulose wird von Mykobakterien ausgelöst. Es bilden sich kleine Geschwulste (Tuberkel). Lungentuberkulose ist die häufigste Form, es können jedoch auch andere Organe betroffen sein. / © Getty Images/Science Photo Library/Kateryna Kon
Wegen eines Tuberkulose-Falls bei einem vierjährigen Kita-Kind in Senftenberg im Süden Brandenburgs werden von Mittwoch an rund 130 Menschen vorsorglich getestet. Das teilte der Landkreis Oberspreewald-Lausitz auf Anfrage mit. Es handle sich dabei etwa um Kita-Kinder und Mitarbeiter der Einrichtung. Das Gesundheitsamt bereitet derzeit die Bluttests vor und ist im Einsatz, um eine Ausbreitung zu verhindern. Das Testergebnis des vierjährigen Kindes lag laut Landkreis am Montag vor.
Im Januar wurde im benachbarten sächsischen Landkreis Bautzen nach einem Tuberkulose-Fall an einer Berufsschule eine weitere Ansteckung festgestellt. Der Ausbruch der Erkrankung sei zwar ernst zu nehmen, die Ansteckungsgefahr jedoch deutlich geringer als bei Erkältungskrankheiten, teilte der Landkreis mit und rief zu Besonnenheit auf. Ob es sich bei dem erkrankten Kind um einen Jungen oder ein Mädchen handelt, wollte das Gesundheitsamt nicht sagen.
Tuberkulose (Tb) ist heute in Deutschland eine sehr seltene Erkrankung, die aber dem Gesundheitsamt gemeldet werden muss. Im Jahr 2024 wurden laut Robert-Koch-Institut 4391 Neuerkrankungen in Deutschland registriert – das entspricht einer Inzidenz von 5,2 Fällen pro 100.000 Einwohner. Damit ist die Zahl im Vergleich zu 2023 leicht zurückgegangen (2023: 4494 Fälle). Bei Kindern wurden 228 Fälle gemeldet, darunter am häufigsten bei Kleinkindern unter fünf Jahren.
Das RKI schreibt auch: »Es wird deutlich, dass internationale Migration und Mobilität aus Krisengebieten die Epidemiologie der Tuberkulose in Deutschland maßgeblich mitbestimmen.« Weltweit infizieren sich jährlich schätzungsweise zehn Millionen Menschen mit Tuberkulose.
Ausgelöst wird Tuberkulose durch Mycobacterium tuberculosis. Übertragen wird die Infektion bei engem Kontakt von Mensch zu Mensch. Dies geschieht per Tröpfchen-Infektion, das heißt durch das Einatmen erregerhaltiger Tröpfchen, die von erkrankten Personen freigesetzt werden, insbesondere beim Husten. Dazu reicht bereits das Einatmen nur weniger Keime, informiert die Weltgesundheitsorganisation. Die Erkrankung ist also hoch ansteckend.
Wie das Deutsche Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose (DZK) in Berlin auf seiner Homepage schreibt, ist die Gefahr, schwer zu erkranken, bei Kindern größer, weil ihr Immunsystem noch nicht so gut entwickelt ist.
Nicht alle Erkrankten sind ansteckend – eine Übertragung ist vor allem bei unbehandelter Lungentuberkulose möglich.
Tuberkulose manifestiert sich laut RKI in etwa drei Viertel der Fälle als Lungentuberkulose. Klassische Symptome sind länger bestehender Husten, Nachtschweiß, Fieber und Gewichtsverlust. Die Erkrankung kann aber jedes Organ betreffen.
Eine frühzeitige Diagnose mit umgehend eingeleiteter Therapie sowie die Untersuchung infektionsgefährdeter Personen im Umfeld sind daher wichtig, um Infektionsketten zu erkennen und zu unterbrechen, wie das RKI in seinem Bericht zur Epidemiologie der Tuberkulose in Deutschland für 2024 schrieb. Deshalb werden nun mögliche Kontaktpersonen im Umfeld des Kita-Kindes in Südbrandenburg getestet.
Bei Verdacht auf Tuberkulose erfolgt in der Regel eine Röntgenaufnahme des Brustkorbes und der Lunge sowie eine Untersuchung des Auswurfs.
Eine wirksame Impfung, die eine Erkrankung oder Ansteckung verhindert, gibt es nicht. Tuberkulose wird mit einer Kombination mehrerer Medikamente behandelt und ist in der Regel heilbar. Weltweit ist sie aber noch immer die häufigste zum Tode führende bakterielle Infektionskrankheit – jedes Jahr sterben 1,5 Mllionen Menschen daran. Die Therapie mit Antibiotika dauert nach Darstellung von Medizinern etwa sechs Monate.
In der Regel wird die Behandlung einer Tuberkulose im Krankenhaus begonnen. Patienten werden in einem Einzelzimmer isoliert untergebracht, bis kein Ansteckungsrisiko für andere mehr vorliegt – »was meist schon nach wenigen Wochen wirksamer Therapie der Fall ist«, wie das Kompetenzzentrum schildert. Für Kontakte zu anderen Menschen ist Mund-Nasen-Schutz wichtig.