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Diskussion beim BVDAK-Kongress
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Was bringt die Reform den Apotheken?

Positives Fazit der Talkrunde zur Apothekenreform beim BVDAK-Kooperationsgipfel: Mit der Übernahme neuer Aufgaben können Apotheken eine zentrale Rolle in der Versorgung einnehmen und die versprochene Honorarerhöhung kommt doch noch.
AutorAlexander Müller
Datum 04.02.2026  13:24 Uhr

Franziska Scharpf, Vizepräsidentin der Bundesapothekerkammer, lobte am aktuellen Gesetzentwurf, dass darin viele Aspekte aus dem Zukunftspapier der ABDA enthalten seien. »Gleichzeitig können wir alle diese Sachen nicht machen, wenn eine Apotheke wirtschaftlich nicht gut dasteht«, mahnte Scharpf.

Da die versprochene Honorarerhöhung bislang nicht in der Reform steht, plant die ABDA für den Frühling weitere Proteste: »Wir werden den politischen Druck erhöhen und weitermachen.« Die BAK-Vize ist überzeugt, dass Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) Wort hält: »Versprochen ist versprochen und wird auch nicht gebrochen.«

Auch Jörg Wieczorek, Vorstandsvorsitzender von Pharma Deutschland, glaubt an das höhere Fixum – wenn sich die Apothekerschaft es jetzt nicht noch selbst kaputtrede. Am Morgen hatte BVDAK-Chef Stefan Hartmann der Politik eine Hinhaltetaktik unterstellt. Aber auch Hartmann gab sich in der Talkrunde optimistisch, dass die Erhöhung noch kommt; anders als drei Viertel des industrielastigen Publikums bei einer Live-Umfrage.

Rainer Hutka, Amtschef des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit, bestätigte die politischen Ambitionen seines Hauses: »Das Fixum ist geregelt im Koalitionsvertrag und muss auf die Tagesordnung.« Bayern habe im Bundesrat zudem einen Grundkostenzuschlag für die ersten 20.000 Packungen ins Spiel gebracht, von dem kleinere Apotheken überproportional profitieren würden. Zweigapotheken erteilte Hutka eine Absage: »Wir brauchen keine ›Apotheke light‹, wir wollen eine vollversorgende Apotheke haben.«

»Apotheken haben sich beim Impfen bewährt«

Hutka verwies auf die erweiterten Möglichkeiten, die den Apotheken mit der Reform eingeräumt werden sollen. »Die Apotheken haben sich beim Impfen bewährt.« Das Bayerische Ministerium stehe immer im guten Austausch mit der Apothekerschaft und dränge auf Nachbesserungen an der Reform. »Wir sagen ganz klar: Keine Apotheken ohne Apotheker«, so Hutka. Die PTA-Vertretung sei ein Weg in die falsche Richtung.

Wieczorek ermutigte die Apotheken, jetzt selbst aktiv zu werden. Mit Aktionstagen zum Impfen und anderen Angeboten müssten sie sich im Primärversorgungssystem etablieren. Der Pharma-Deutschland-Chef brachte Krankschreibungen aus der Apotheke ins Spiel und warb – auch qua Amt – für mehr OTC-Switches. »Wir hatten noch nie so gute Voraussetzungen, mit der Politik positiv etwas zu verändern«, ist Wieczorek überzeugt.

Scharpf sieht im geplanten Primärversorgungssystem eine Chance, dass die Gesundheitsberufe besser zusammenarbeiten. Die Apotheken würden den Praxen nichts wegnehmen, sondern den Ärztinnen und Ärzten Zeit freischaufeln, damit sie sich um ihre Patienten kümmern könnten. Denn eines ist für Scharpf klar: Wenn ihre eigene Kompetenzgrenze erreicht ist, schickt sie den Patienten in die Praxis. Wenn der aber keinen Termin bekommt, sei das »fast schon unterlassene Hilfeleistung«.

Auch Anja Konhäuser, Co-Founder & Partner bei der Beratungsfirma Ommax, hofft auf eine bessere Vernetzung im deutschen Gesundheitswesen. Leider werde die elektronische Patientenakte (ePA) noch nicht so akzeptiert wie erhofft. Aus Konhäusers Sicht sind ein einfacher Zugang, intuitive Bedienbarkeit und Vertrauen der Schlüssel. Beim Onlinebanking habe es zu Beginn auch Vorbehalte und Sicherheitsbedenken der Nutzer gegeben. Aber die Banken hätten das Thema forciert, weil sie selbst davon profitierten.

Diese Chance sieht Konhäuser auch für das Gesundheitswesen, trotz Datenschutz-Grundverordnung. »Die DSGVO ist kein Digitalisierungskiller«, sagte die Digitalexpertin, schließlich gingen andere europäische Länder auch damit um. Die »Angstkultur« führe in Deutschland aber dazu, dass Bürokratie entsteht, weil niemand bereit sei, Verantwortung zu übernehmen. BVDAK-Chef Hartmann würde sich wünschen, dass Deutschland positive Beispiele aus anderen Ländern übernimmt.

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