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Ältere Menschen
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Warum so viele Stürze tödlich enden

Ein Sturz von der Leiter, über eine Teppichkante oder auf nassen Badezimmerfliesen: Gründe für Stürze gibt es viele und nicht immer sind die Folgen harmlos. Zum Teil enden sie sogar tödlich. Im Jahr 2023 galt dies für rund 20.800 Menschen in Deutschland. Das ist fatal, denn viele Stürze wären vermeidbar.
AutorKontaktHanke Huber
Datum 22.11.2024  16:00 Uhr

Aus dem Gleichgewicht

Faktoren, die das Sturzrisiko erhöhen, lassen sich in intrinsische, extrinsische und situative unterteilen. Zu den intrinsischen Faktoren gehören alters- oder krankheitsbedingte Veränderungen, die Gleichgewicht und Stabilität beeinträchtigen, wie eine schwächere Muskulatur, nachlassende Sehkraft, Sensibilitätsverluste sowie Probleme mit Blutdruck oder Herzfunktion. Gleiches gilt für Krankheiten wie Demenz, Parkinson, Arthritis oder zerebelläre Störungen. Sie alle führen dazu, dass Menschen Hindernisse nicht rechtzeitig wahrnehmen beziehungsweise für die Balance notwendige Ausgleichbewegungen nicht mehr durchführen können.

Darüber hinaus kann nicht nur eine Erkrankung selbst, sondern auch ihre Therapie das Sturzrisiko erhöhen. Hierzu zählen beispielsweise Arzneimittel, die die Aufmerksamkeit beeinträchtigen, wie manche Analgetika, insbesondere Opioide, einige Antidepressiva, Antipsychotika oder Benzodiazepine. Auch Herzmedikamente wie Antihypertensiva, vor allem Vasodilatatoren, sowie Diuretika oder Antiarrhythmika erhöhen mitunter das Sturzrisiko. Die Wirkstoffe können sich auf viele Bereiche auswirken, etwa auf die Hirndurchblutung, die Wachheit oder die zentrale Verarbeitung, sie können zu vestibulären Störungen oder Delirium führen. Insbesondere psychoaktive Medikamente scheinen das Risiko von Stürzen deutlich zu erhöhen. Generell gilt: Je mehr Medikamente, umso höher die Sturzgefahr.

Für ältere Menschen potenziell ungeeignete Medikamente (PIM) sind dies oft, weil sie das Sturzrisiko erhöhen. Listen wie die Priscus-Liste oder die FORTA-Liste (Fit for The Aged) geben eine Übersicht über PIM.

Spering gibt allerdings auch zu bedenken: »Der Grund des Ablebens wird häufig gern auf die Medikamente geschoben. Man muss aber natürlich auch sagen, dass dieser Mensch wahrscheinlich gar nicht so alt geworden wäre, hätte er die Medikamente nicht gehabt.«

Extrinsische Faktoren betreffen die Umgebung, zum Beispiel schlechte Sicht aufgrund von Dunkelheit oder unzureichender Beleuchtung, ein rutschiger Boden oder herumliegende Dinge. Eine gute Beleuchtung, altersgerechte Umbauten, zum Beispiel im Bad, Handläufe für Treppen, ein rutschfester Untergrund und die Beseitigung von Stolperfallen können hier helfen, das Sturzrisiko zu verringern.

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