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Hersteller werben für Angebot
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Warum sich Impf-Apotheken lohnen

Die Hersteller sprechen sich dafür aus, das Impfangebot in Apotheken zu erweitern. Das wundert nicht weiter, da sie von höheren Impfquoten finanziell profitieren. Doch auch volkswirtschaftlich würde sich die Prävention in der Apotheke aus ihrer Sich lohnen.
AutorKontaktAlexander Müller
Datum 29.04.2025  16:00 Uhr

Gemeinsam stellten die Hersteller GSK, Viatris und Moderna unter dem Dach des Verbands Pharma Deutschland ihre Überlegungen zum Thema vor. Kristina Ostertag von GSK betonte die wirtschaftliche Bedeutung des Impfens. Der Return on Invest beim Impfen habe einen Faktor 19. Das heißt, jeder investierte Euro spare volkswirtschaftlich 19 Euro. »Impfungen sind ein super Investment«, so Ostertag. Leider würden heute nur 0,5 Prozent der Gesundheitsausgaben in Impfungen gesteckt.

Für bessere Quoten kommt es laut Ostertag auf drei Dinge an: gefüllte Pipelines bei den Herstellern, niedrigschwellige Impfangebote in Apotheken und die Einführung des elektronischen Impfausweises. GSK produziert auch in Deutschland an den Standorten Dresden und Marburg. Weltweit liefere der Konzern jährlich 700 Millionen Impfdosen in 160 Länder.

Ingo Werner vom Hersteller Viatris sprach speziell zu Grippeimpfstoffen, die vom Partner Abbott in den Niederlanden hergestellt werden. Die Grippesaison 2023/24 sei erneut intensiv gewesen. 220.000 gemeldete Grippefälle hätten – wären sie vermieden worden – laut einer Studie von Werner zitierten Studie die Volkswirtschaft um 36 Milliarden Euro entlasten können.

Verteilungskämpfe nicht zu befürchten

Er sei »erstaunt, wie wenig sich in den vergangenen Jahren zum Positiven verändert hat«, so Werner. Laut WHO-Empfehlung sollte die Impfquote bei älteren Menschen und vulnerablen Gruppen bei 75 Prozent liegen. Nur Dänemark erreiche diesen Wert, aber auch zwölf andere Länder in der EU seien besser als Deutschland mit gerade einmal rund 30 Prozent Impfquote. Dazu zählt Portugal, wo die Apotheken stärker eingebunden seien.

Gerade bei chronisch Erkrankten unter 60 sieht Werner ein großes Potenzial, mit niedrigschwelligen Angeboten die Prävention zu stärken. »Das Ausweiten des Impfens in der Apotheke ist eine Möglichkeit in diesem Bereich, ohne jemandem etwas wegzunehmen«, so Werner, dem die berufspolitischen Diskussionen zwischen Ärzten und Apothekern nicht fremd sind.

Männer lieber in der Apotheke als beim Arzt

Moderna-Geschäftsführer Andreas Pollner zufolge werden Innovationen in der Impfstoff-Herstellung in den nächsten Jahren extrem wichtig sein. 43 Projekte auf Basis der mRNA-Technologie seien in der Entwicklung. Der Vorteil liege vor allem in der Möglichkeit, die Impfstoffe bei Bedarf schnell anpassen zu können.

Pollner bemängelte aber den Zeitverzug bei der Versorgung mit neuen Impfstoffen. So vergingen ein bis anderthalb Jahre zwischen der Zulassung und einer Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko), mit dann noch anschließenden Verhandlungen. Hier müsse es eine Übergangsregelung geben: Eine allgemeine Vergütung nach der Impfempfehlung, fordert Pollner. Auch er sprach sich für Impfungen in der Apotheke aus, denn gerade Männer hätten größere Hemmungen, einen Arzttermin auszumachen.

Kippels hat keine Bedenken 

Der CDU-Abgeordnete und designierte Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, Georg Kippels (CDU), verwies als Gast der Runde bei Pharma Deutschland auf unsere französischen Nachbarn, wo schon viel mehr in Apotheken geimpft werde. Als Jurist werde er zwar beim Wort »Haftung« sofort hellhörig. Es gehe aber hier nicht um unkalkulierbare Risiken, sondern um ein niedrigschwelliges Angebot.

Um die Quoten wirklich zu erhöhen, ist die richtige Kommunikation für Kippels das A&O: Sei die Impfung als Vorsorge gegen Ansteckung, gegen einen schweren Verlauf der Krankheit oder zur Eindämmung der Übertragbarkeit vorgesehen? »Patienten sind heute differenzierter in ihrem Wissendurst«, weiß Kippels. Deshalb müsse die Diskussion über das Impfen stärker in der Öffentlichkeit platziert werden.

Dazu kann Kippels vermutlich demnächst noch mehr beitragen. Er soll Parlamentarischer Staatssekretär unter der designierten neuen Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) werden.

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