| Jennifer Evans |
| 19.03.2026 10:00 Uhr |
Kinder mit Mathe-Problemen: Im Gehirn existiert nicht nur ein Mathematikzentrum. An der Informationsverarbeitung sind mehrere Hirnareale beteiligt. / © Adobe Stock/Clement C/peopleimages.com
Mathematische Lernstörungen betreffen bis zu 14 Prozent der Kinder im schulpflichtigen Alter. Forschende haben sich gefragt, woran das liegt. Die Ergebnisse ihrer Studie, die im Fachmagazin »Journal of Neuroscience« erschienen ist, haben ergeben: Nicht nur das mathematische Verständnis der Kleinen ist ausschlaggebend, sondern auch die Art, wie sie Entscheidungen treffen und auf Fehler reagieren.
In den Experimenten sollten Schüler mit und ohne Lernschwäche aus der zweiten und dritten Klasse nach einigen Sekunden beurteilen, welche der zwei gezeigten Zahlen zwischen eins und neun größer war als die andere. Hinsichtlich Alter, Geschlecht und IQ waren die Kinder vergleichbar. Das Team um die Psychologin Dr. Hyesang Chang von der kalifornischen Stanford University dokumentierte, wie lange sie dafür brauchten und zeichnete die Gehirnaktivität auf.
Parallel erfassten die Forschenden Muster im Verhalten der Kinder während der Tests. Es ging darum zu erkennen, wie überlegt sie antworten und ob sie ihre Herangehensweise nach einem Fehler änderten. Demnach stand nicht die richtige Lösung im Fokus, sondern die Strategie, mit der sie eine Aufgabe lösten. Anschließend verglichen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Verhaltensmuster mit der Gehirnaktivität.
Es zeigte sich: Kinder mit mathematischen Lernschwierigkeiten antworteten in dem Experiment schneller und weniger sorgfältig. Und nach einem Fehler änderten sie ihre Geschwindigkeit nicht. Im Gehirn zeigte sich dabei eine geringere Aktivität im mittleren Frontalgyrus. Diese Region steht mit Zahlenverarbeitung, Konzentration, Impulskontrolle sowie Anpassungsfähigkeit in Verbindung. Auch der anteriore cinguläre Kortex reagierte weniger als bei jenen Kindern, die keine Lernschwäche hatten. Dieses Areal spielt bei Fehlererkennung und Leistungsüberwachung eine Rolle.
Als die Kinder bei einer zweiten Aufgabe mit Punkten anstelle von Zahlen arbeiten sollten, verschwanden die Unterschiede zwischen den Gruppen; die Aktivität in den beiden Hirnregionen glich sich an.
Laut Autorenteam liefern die Ergebnisse Hinweise auf ein komplexes Zusammenspiel mehrerer Hirnregionen und zeigen Hintergründe unterschiedlicher mathematischer Fähigkeiten auf. Kindern mit Lernschwierigkeiten verschiedene Strategien zur Problemlösung beizubringen, könnte aus ihrer Sicht hilfreich sein.