| Alexandra Amanatidou |
| 14.01.2026 10:30 Uhr |
Mithilfe von künstlicher Intelligenz könnten Apotheken ihre Prozesse automatisieren. / © GettyImages/Edwin Tan
In ihrem Bericht zur Jahresauftaktklausur kündigt die SPD-Fraktion eine »KI-Offensive für den Mittelstand« an. Diese könnte unter anderem einen staatlich finanzierten KI-Gutschein umfassen. Auf Anfrage der PZ nannte die SPD-Fraktion keine Details dazu, wie der Gutschein verwendet werden kann und ob Apotheken davon profitieren könnten.
Der Apotheker und KI-Experte Marc Kriesten sieht beim Gutschein Analogien zum Digitalisierungsgutschein. Dieser gilt für mittlere Unternehmen – also auch für Apotheken – und wird auf Landes- und Bundesebene angeboten. Davon werden nicht nur Lizenzgebühren, sondern auch die Kosten von Schulungen übernommen. »Wenn etwas für kleine und mittlere Unternehmen konzipiert wird, profitieren Apotheken auch davon«, versicherte Kriesten am Telefon.
Der Apotheker, der sich auf Digitalisierung und KI-Anwendungen im Apothekenwesen spezialisiert hat, würde eine solche Initiative begrüßen. Ein solcher Gutschein wäre ein »richtiger Schritt in die richtige Richtung«, denn der Einsatz von KI wird seiner Meinung nach künftig im Apothekenalltag absolut notwendig sein und sogar ein kritischer Erfolgsfaktor werden. Dies zeigt auch eine aktuelle Zusatzbefragung der ManpowerGroup im Rahmen ihres Arbeitsmarktbarometers. »Apotheken würden sehr stark davon profitieren, denn natürlich sind mit KI auch Investitionskosten verbunden, etwa für Fortbildungen oder schlicht die Arbeitszeit«, so das Fazit von Kriesten.
Wenn es aber bereits einen Digitalisierungsgutschein gibt, warum bräuchte man dann einen zusätzlichen KI-Gutschein? Der Experte erklärt, dass Kurse, die mit dem Digitalisierungsgutschein bezahlt werden können, zwar KI in ihren Curricula beinhalten, diese dort aber keine zentrale Rolle spielt. »KI wird immer nur am Rande behandelt«, sagt er. So könne keine KI-Expertise oder ein KI-Workflow entstehen.
KI könne in jeglichen Prozessen des Apothekenalltags integriert werden und diese automatisieren. Einige Beispiele sind die Dokumentation, Qualitätsmanagement-(QM)-Dokumentationen oder -Updates. QM-Dokumentation ist ein System aus verknüpften Dokumenten, das festlegt, wie ein Unternehmen Qualität sichert und nachweist.
Auch im fachlichen Bereich könnte KI bereits eingesetzt werden. In den USA gibt es beispielsweise bereits ChatGPT Health, eine KI für medizinische Fragestellungen, in die auch die eigenen Gesundheitsdaten hochgeladen und ausgewertet werden können. Hier ist allerdings Vorsicht geboten, da KI-Modelle immer noch Fehler machen und sich sogar von Kriminellen manipulieren lassen könnten. Deswegen sieht der Experte dies nur an zweiter Stelle. Wichtiger sei die Automatisierung alltäglicher Aufgaben.