Hinzu kommt: Die Beziehung zu Haustieren ist häufig frei von Konflikten, Erwartungen oder sozialen Rollen. Tiere hören zu, bewerten nicht, sind konstant präsent. Gerade für ältere Menschen, Besitzer von Begleithunden oder Personen mit wenig sozialen Kontakten können Haustiere zentrale Bindungspartner sein.
Stirbt das Tier, bricht nicht nur die emotionale Beziehung weg, auch der Alltag verändert sich gravierend: Spaziergänge, Fütterungszeiten, Begegnungen mit anderen Menschen auf Gassirunden – all das falle plötzlich weg und werde entsprechend vermisst, macht Trauerforscherin Doering deutlich.
Inwieweit sich die Ergebnisse der britischen Studie auf Deutschland übertragen lassen, ist unklar. Hierzulande gibt es bisher kaum Studien zum Thema. Klar ist: »Nur eine kleine Minderheit von Trauernden entwickelt eine anhaltende Trauerstörung«, macht Doering deutlich. »Wir unterscheiden zwischen Trauer und anhaltender Trauerstörung und arbeiten als Psychotherapeuten nur mit Menschen zusammen, die ihre Trauer nicht selbstständig oder mithilfe ihres Umfelds bewältigen können. Da gibt es schwankende Schätzungen, aber es ist eindeutig eine Minderheit.«
Manchen helfe Unterstützung, anderen sei Zuhören wichtig und wieder andere wünschten sich Ablenkung. Oft würden auch neue Routinen und Rituale bei der Bewältigung von Trauer helfen, zum Beispiel das Anlegen eines Grabes. Ganz wichtig sei es, die Trauer zu akzeptieren und keine Anforderungen an sie zu stellen, so Doering: »Ich erlebe es manchmal so, dass Trauer in der Gesellschaft zu wenig Platz bekommt. Dass es schnell wieder gut sein soll, dass man sich schnell wieder zusammenreißen soll.«
Wenn Trauer über eine längere Zeit den Alltag massiv beeinträchtigt, sollten Betroffene professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, raten Psychologen. In dem Fall könnte es sich um eine behandlungsbedürftige anhaltende Trauerstörung handeln. Die ist aktuell international nur bei Trauer um Menschen als klinische Krankheit eingestuft und noch nicht bei Trauerfällen um Tiere.
Hierzu sagt Studienautor Hyland: »Angesichts der Tatsache, dass viele Menschen, die um den Verlust ihres Haustieres trauern, sich dadurch verlegen und isoliert fühlen, sollte die Entscheidung, den Verlust eines Haustieres nicht in die Kriterien für eine anhaltende Trauerstörung einzuschließen, überdacht werden.«