Laut einer Studie empfindet jeder fünfte Befragte den Tod eines Haustieres als schmerzhafter als den Verlust eines Menschen. / © Getty Images/Klaus Vedfelt
Stirbt der eigene Hund, die Katze oder ein anderes geliebtes Tier, dann trauern wir – ganz ähnlich wie um enge Verwandte oder Freunde. »Für viele Menschen ist der Verlust eines Haustieres schlimmer als der Verlust eines Menschen«, heißt es in einer im Fachmagazin »Plos One« erschienenen Studie.
»Etwas mehr als ein Fünftel der Menschen, die sowohl ein geliebtes Haustier als auch eine ihnen nahestehende Person verloren hatten, gaben an, dass der Verlust ihres Haustieres schmerzlicher als der des geliebten Menschen war«, schreibt Hauptautor Philip Hyland von der Maynooth University in Irland.
Für die Analyse fand im März 2024 im Vereinigten Königreich eine Befragung unter 975 Erwachsenen statt. Rund ein Drittel von ihnen (32,6 Prozent) hatte bereits den Tod eines geliebten Haustieres erlebt, fast alle hatten zudem einen menschlichen Verlust erfahren. Befragt nach dem schmerzlichsten Verlust, nannten 21 Prozent der Betroffenen ihr Haustier – trotz erlebter Todesfälle von Eltern, Geschwistern oder engen Freunden.
Bei einem kleinen Teil der Betroffenen, nämlich 7,5 Prozent, war die Trauer so stark, dass dies als anhaltende Trauerstörung eingestuft wurde. Die Rate ist vergleichbar mit der Trauer nach dem Tod eines nahen Familienmitgliedes wie Großeltern oder engen Freunden. Betroffene leiden dann unter »Schwierigkeiten, den Tod zu akzeptieren und intensiven Gefühlen von Traurigkeit, Wut oder Sehnsucht, mit deren Bewältigung sie alleine nicht zurechtkommen«.
Zentrale Ursache für Trauer ist die enge emotionale Bindung. Für viele Besitzer ist das Haustier ein weiteres Familienmitglied, das geliebt wird und aktiv am Alltag teilnimmt. In einer amerikanischen Studie gaben von etwa 5000 befragten Haustierbesitzern 97 Prozent an, ihr Tier als Familienmitglied zu betrachten, und etwa die Hälfte sahen es als gleichwertig zu den menschlichen Familienmitgliedern an.
Entscheidend sei, welchen Stellenwert das Tier für uns einnehme, erklärt Bettina Doering, Professorin für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel: »Ich würde tippen, dass viele nicht um Nutztiere trauern, wenn sie ihr Fleisch essen. Haustiere dagegen werden als Familienmitglieder gesehen. Und wenn ich in einer Kultur lebe, in der den Tieren ein so zentraler emotionaler Stellenwert zugemessen wird, dann ist es total verständlich, dass um sie auch wie um ein Familienmitglied getrauert wird.«