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Jüngere Menschen
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Warnzeichen können plötzlichem Herztod vorausgehen

Der plötzliche Herztod tritt, wie der Name schon sagt, schnell und ohne Ankündigung ein. Oft sind ältere Menschen betroffen. Allerdings können auch Jüngere einen plötzlichen Herztod erleiden. Bei ihnen gibt es häufig Warnsignale, die man kennen sollte.
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 12.07.2023  11:00 Uhr

Der plötzliche Herztod ist ein unerwarteter Stillstand des Herzens, dem in den meisten Fällen wenige Minuten schwerer Herzrhythmusstörungen vorausgehen. Diese können beispielsweise durch einen Herzinfarkt, Herzmuskelerkrankungen oder angeborene Herzfehler ausgelöst sein. Ohne sofortige Herzmassage stirbt der Betroffene. Mit jährlich mehr als 65.000 Verstorbenen ist der plötzliche Herztod die häufigste Todesursache außerhalb von Krankenhäusern in Deutschland.

Wie die Deutsche Herzstiftung mitteilt, besteht bei einem Großteil der Patienten vor einem plötzlichen Herztod über mehrere Jahre eine koronare Herzkrankheit (KHK). Weil dies eine Erkrankung des höheren Lebensalters sei, werde auch der plötzliche Herztod allgemein eher als ein Problem des Alters wahrgenommen. Allerdings seien etwa vier von zehn Betroffenen eines plötzlichen Herztodes jünger, nämlich zwischen 15 und 65 Jahre alt.

Ursachen kennen, Vorsorge treffen

Mögliche Ursachen des plötzlichen Herztodes im jungen Alter seien neben angeborenen Herzfehlern sowie Veränderungen der Herzkranzgefäße und Herzmuskelentzündung (Myokarditis) vor allem genetisch bedingte Herzerkrankungen. Genvarianten könnten etwa zu Ionenkanalveränderungen am Herzen und in der Folge bösartigen Herzrhythmusstörungen führen oder auch arrythmogene Kardiomyopathien bewirken. Angehörige von Patienten mit einer genetisch bedingten Herzerkrankung seien potenziell selbst gefährdet, da sie häufig ein 50-prozentiges Risiko hätten, ebenfalls Träger der Genveränderung zu sein, informiert Professor Dr. Silke Kauferstein, Leiterin des Zentrums für plötzlichen Herztod und familiäre Arrhythmiesyndrome am Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Frankfurt am Main.

Nach einem ungeklärten Herztodesfall in jungen Jahren, etwa einem unerwarteten Tod im Schlaf oder auch einem unerklärbaren, plötzlichen Tod im Wasser, sollte daher eine Untersuchung inklusive postmortaler Gendiagnostik des Verstorbenen erfolgen. Bei entsprechendem Befund wird laut Herzstiftung die Untersuchung der Angehörigen in direktem Verwandtschaftsverhältnis dringend empfohlen. Auch die folgenden möglichen Warnsignale sollten Anlass zu einer ärztlichen Untersuchung sein:

  • kurze Bewusstlosigkeiten (Synkopen), besonders bei spezifischen Auslösern wie Stress, schriller Wecker oder sportlicher Belastung,
  • Krampfanfälle ohne eindeutig pathologische Befunde wie etwa eine Epilepsie im Elektroenzephalogramm,
  • nicht erklärbarer Autounfall (auch bei bekannter Epilepsie),
  • Herzinsuffizienz und/oder Herzschrittmacherpflichtigkeit vor dem 50. Lebensjahr.

Viele Erkrankungen, die zu einem plötzlichen Herztod führen können, seien gut behandelbar beziehungsweise es gebe Vorsichtsmaßnahmen, die Betroffene ergreifen können. Dazu müssen sie aber wissen, dass sie gefährdet sind. Um auf die Problematik hinzuweisen, hat die Herzstiftung eine Initiative gegen den plötzlichen Herztod bei jungen Menschen mit entsprechender Internetseite gestartet. Arztpraxen, Kliniken und Apotheken können per Telefon (069 955128-400) oder per E-Mail (versand@herzstiftung.de, Stichwort: »Info-Paket gemeinsam gegen plötzlichen Herztod«) ein kostenfreies Info-Paket mit Plakaten und Postkarten zur Auslage bestellen.

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