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Irankrieg 
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Warnung vor Knappheit von Einweghandschuhen

In einem Artikel des Spiegels wird gewarnt, dass der Krieg im nahen Osten zu einer Knappheit von Einweghandschuhen führen könnte. Auch die Energiekrise und die drohende Inflation verheißen für die Gesundheitsberufe nichts Gutes. 
AutorKontaktLukas Brockfeld
Datum 20.03.2026  17:00 Uhr

Fast drei Wochen nachdem die USA und Israel Iran angegriffen haben, ist noch immer kein Ende der Kämpfe in Sicht. Die Sperrung der Straße von Hormus hat zahlreiche Lieferketten unterbrochen und eine globale Energiekrise ausgelöst. Das hat weitreichende Folgen, auch für die Apotheken und das gesamte Gesundheitswesen. 

Laut eines Berichts des »Spiegel« hat der chinesisch-südkoreanische Chemiehersteller LG Bohai Chemical gegenüber seinen Kunden erklärt, dass man sich aufgrund höherer Gewalt nicht mehr an Lieferverträge gebunden fühle. Die Blockade der Meerenge habe die Versorgung mit Naphtha und Ethylen stark gestört. Beide sind als Grundstoffe für die Produktion von Medizinprodukten aus Kunststoff essenziell. 

Der »Spiegel« zitiert auch Michael Koch, der Produkt-Projektmanager beim deutschen Medizingroßhändler »Medika Medizintechnik« ist. Koch berichtet, dass sechs von zehn chinesischen Herstellern aktuell keine neuen Bestellungen mehr annehmen, weil die Rohmaterialien knapp und teuer werden. Das betreffe vor allem Einweghandschuhe, aber auch andere Produkte wie Schutzkittel, für deren Herstellung Rohöl oder Gas benötigt werden. »Wir haben dreimal die Woche Krisensitzungen«, so Koch zum Nachrichtenmagazin. 

Preisschock mit Verzögerung 

Aktuell seien die Engpässe noch nicht im Alltag von Apotheken, Krankenhäusern und anderen Gesundheitseinrichtungen zu spüren. Laut Michael Koch wurden viele Bestellungen bereits im vergangenen Jahr aufgegeben, sodass die chinesischen Hersteller ihre Rohstoffe noch vor Kriegsausbruch beschafft hätten. Der Preisschock trete daher erst mit Verzögerung auf. »Spätestens wenn die ersten Firmen nicht mehr lieferfähig sind, wird es unruhig«, sagt Koch dem »Spiegel«. 

Schon während der Corona-Pandemie kollabierten die globalen Lieferketten für medizinische Schutzausrüstung. Seitdem hat sich laut Michael Koch nicht viel getan. Auch Produktionsstätten, die zwischenzeitlich in Europa aufgebaut wurden, seien aufgrund fehlender Wettbewerbsfähigkeit wieder stillgelegt worden. »Wir haben gar nichts aus Corona gelernt«, so das bittere Fazit von Michael Koch.

Der Irankrieg dürfte auch indirekte Auswirkungen auf den Gesundheitssektor haben. Die stark steigenden Öl- und Gaspreise werden voraussichtlich für einen neuen Inflationsschub sorgen und könnten die Entwicklung der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes spürbar bremsen. Das hätte negative Auswirkungen auf die Einnahmen und die Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung, die sich im Augenblick ohnehin in einer prekären finanziellen Lage befindet. 

Die Bundesregierung will eine ganze Reihe an tiefgreifenden Reformen  umsetzen, um die Krankenkassen zu entlasten. Ende März soll eine eigens eingesetzte Kommission konkrete Sparvorschläge vorstellen. Schon jetzt zeichnen sich schmerzhafte Einschnitte ab, die in der Gesundheitspolitik für Konflikte sorgen dürften. Erst in der vergangen Woche sorgten Honorarkürzungen für Psychotherapeuten für einen Aufschrei. Ein langer Krieg am Persischen Golf und eine damit einhergehende Energie- und Wirtschaftskrise dürfte die Situation noch verschärfen. 

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