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Steigender Bedarf
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Warnung vor Blutplasma-Engpass

Der Bedarf an Blutplasma wächst seit Jahren, doch die Zahl der Spenderinnen und Spender steigt kaum. Jetzt warnen mehrere Verbände vor einer drohenden Knappheit und schlagen eine ganze Reihe an Maßnahmen vor. 
AutorKontaktLukas Brockfeld
Datum 07.05.2025  16:00 Uhr

Blutplasmaprodukte kommen bei der Behandlung einer ganzen Reihe von schweren und seltenen Krankheiten zum Einsatz. Jetzt warnen mehrere Verbände und Patientenorganisationen, darunter der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI), die Plasma Protein Therapeutics Association Deutschland (PPTA) und der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa), vor einem drohenden Mangel des wichtigen Rohstoffs. 

In einem gemeinsamen Positionspapier erklären die Verbände, dass der Bedarf nach Blutplasma in den vergangenen Jahren stark gestiegen sei. So habe allein der allein Verbrauch von Immunglobulinen zwischen 2013 und 2023 um 120 Prozent zugenommen. Im gleichen Zeitraum wuchs die in Deutschland gesammelte Plasmamenge nur um 4 Prozent. Der steigende Bedarf sei vor allem auf neue Behandlungsmethoden und den demografischen Wandel zurückzuführen. 

Unverzichtbarer Rohstoff

Die Verbände betonen, dass Blutplasma ein unverzichtbarer Rohstoff sei, der nicht synthetisch hergestellt werden könne. Daher sei die Industrie auf freiwillige Blut- und Plasmaspenden angewiesen. Gerade die Behandlung bestimmter Erkrankungen erfordere große Mengen an Plasma. So seien pro Jahr rund 900 Plasmaspenden für die Behandlung eines Patienten mit Alpha-1-Antitrypsin-Mangel nötig. Blutplasmapräparate würden häufig für die Behandlung seltener Krankheiten eingesetzt, für die es keine alternativen Medikamente gibt.

Das fehlende Blutplasma werde zur Gefahr für die Patientinnen und Patienten. Das Problem bestehe in ganz Europa. Viele Staaten seien aufgrund eines unzureichenden Spendeaufkommens auf Plasmaimporte aus anderen EU-Mitgliedstaaten oder Drittstaaten, darunter den USA, angewiesen. Doch die geopolitischen Entwicklungen setzen die Lieferketten aus Drittstaaten zunehmend unter Druck.

Die Verbände wünschen sich daher eine Stärkung des europäischen Standortes. Ein Großteil der Produktion sei bereits auf dem Kontinent angesiedelt und gerade Deutschland könne im Plasmasektor eine Vorreiterrolle einnehmen. Dies sei allerdings nur möglich, wenn die Versorgung mit Blutplasma gewährleistet sei. 

Konkrete Forderungen 

Um das Blutplasma-Ökosystem zu stärken und die Versorgung sicherzustellen, werden in dem Positionspapier eine ganze Reihe an konkreten Forderungen aufgezählt: 

  • Streichung der bisherigen Datumsgrenze für die Befreiung sämtlicher Immunglobulinpräparate
    vom Preismoratorium zur Verhinderung einer Marktverzerrung.
  • Reduzierung des Herstellerabschlags, um der besonderen Kostenstruktur von
    Blutplasmaprodukten gerecht zu werden.
  • Verbot der »aut-idem«-Substitution in Apotheken für Blutplasmaprodukte, um optimale Behandlungen zu gewährleisten.
  • Abschaffung der Parallelimportförderung um die Versorgungssicherheit von Blutplasmapräparaten
    zu gewährleisten und die lokale Produktion sowie stabile Lieferketten zu unterstützen.
  • Anpassung des aktuellen Meldesystems zu Daten zur frühzeitigen und verlässlichen Erkennung von Versorgungsengpässen mit Blutplasmapräparaten.
  • Verbesserung der Rahmenbedingungen für Blutplasmaspende und -sammlung durch umfassende Informations- und Motivationskampagnen der zuständigen Behörde.
  • Verringerung der Abhängigkeit von Blutplasmaimporten aus dem nicht-europäischen Ausland durch Ausweitung der Blutplasmaspenden EU-weit, unter Einbeziehung der positiven Erfahrungen des deutschen Modells, das auf der Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure beruht.
  • Effiziente und unbürokratische Umsetzung der EU SoHO-Verordnung, um die bestehenden Sicherheits- und Qualitätsstandards zu gewährleisten, ohne dabei unnötige bürokratische Auflagen für Spendezentren und Hersteller zu schaffen.

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