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Kommentar
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Warkens Werkzeugkiste

Der Finanzkommission Gesundheit ist ein besonderes Kunststück gelungen: Sie hat so viele Sparvorschläge vorgelegt, dass die Politik jetzt alle Möglichkeiten hat, es sich mit allen zu verscherzen. Gesundheitsministerin Nina Warken sollte beim Griff in die Werkzeugkiste achtsam sein, kommentiert PZ-Chefredakteur Alexander Müller.
AutorAlexander Müller
Datum 30.03.2026  18:22 Uhr

66 Maßnahmen schlägt die Kommission vor. Darunter sehr naheliegende Vorschläge wie die staatliche Übernahme versicherungsfremder Leistungen in der GKV oder höhere Steuern auf zuckerhaltige Getränke, Tabak und Alkohol. Aber mit den meisten Ideen ecken die Experten an – was nicht anders zu erwarten war. 42 Milliarden Euro lassen sich im nächsten Jahr nicht nur über Effizienzgewinne heben. Es wird ein Hauen und Stechen geben im Gesundheitswesen und Ministerin Warken stehen ungemütliche Zeiten bevor.

Aus dem »gut gefüllten Werkzeugkasten« will Warken jetzt »die richtigen Werkzeuge« auswählen. Sie sollte tunlichst weder zum Honorar-Hammer greifen, um die Apotheken zu zerschlagen, noch zur pDL-Presszange, um die pharmazeutischen Dienstleistungen zu zerquetschen.

Denn geht es nach der Kommission, könnten auch die Apotheken einen Beitrag leisten: Die längst versprochene Anpassung des Fixums auf 9,50 Euro könnte bis zum Jahr 2031 gestreckt werden. Klar könnten die Kassen so sparen. Nur ist es dann keine Honorarerhöhung mehr. Abgesehen davon, dass sich die Idee mit der parallel geplanten Verhandlungslösung beißt. Bitte dieses Werkzeug in der Kiste lassen.

Den pDL-Topf einfach den Krankenkassen zu überlassen, geht schon technisch nicht, weil PKV-Gelder enthalten sind. Außerdem sollte die Politik ihre Lektion gelernt haben, was das Umwidmen gebundener Mittel angeht, Stichwort Klimatransformationsfonds (KTF). Und überhaupt: Wenn die Regierung es ernst meint und das Gesundheitswesen strukturell umbauen will, sind gesunde Apotheken mit neuen pharmazeutischen Dienstleistungen ein unersetzlicher Faktor. Also auch dieses Werkzeug bitte in der Kiste lassen, Frau Ministerin.

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