| Melanie Höhn |
| 16.03.2026 09:45 Uhr |
Herzgesundheit war das Thema des »Bild«-Talks (v.l.): Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU), Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) sowie die »Bild«-Ressortleiterinnen Stefanie May und Kati Degenhardt. / © Screenshot/bild.de
»Wir müssen Dinge, die es schon gibt, breiter ausrollen«, sagte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken in einem Doppel-Interview mit Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) zu »Bild«. Ein Beispiel sei die »3B – das Messen von Blutdruck, Blutzucker, Blutfett.« Damit Menschen diese Werte und Früherkennungs-Angebote wahrnehmen, sei es entscheidend, dass sie diese Früherkennungs-Angebote kennen.
Dafür will sie Apotheken stärker einbinden. »Wir wollen jetzt die Apotheken noch mehr mit ins Boot nehmen, damit auch künftig dort diese Messungen, Testungen und eine Beratung stattfinden können«, sagte sie in dem Interview.
Wenn man sich dafür nicht mal einen Arzttermin besorgen müsse, würden noch viel mehr Menschen ihr Herz untersuchen lassen, erklärte Warken gegenüber der Zeitung.
Franziska Scharpf, Vizepräsidentin der Bundesapothekerkammer und Präsidentin der Bayerischen Landesapothekerkammer, kommentierte gegenüber der »Bild-Zeitung«, dass Apotheken »sehr viel für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen tun« können. Die Apothekerschaft begrüße die neuen pharmazeutischen Dienstleistungen, die im Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz vorgesehen seien. Kompetente pharmazeutische Fachkräfte seien in den Vor-Ort-Apotheken für alle »flächendeckend, niedrigschwellig und schnell erreichbar«, so Scharpf weiter.
Apothekerinnen und Apotheker könnten Probleme oft frühzeitig erkennen. Die Apotheken könnten mit den neuen Dienstleistungen starten, sobald der genaue Leistungsumfang und die Honorierung mit den Krankenkassen vereinbart seien, erklärte sie.
Professor Stefan Blankenberg, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, betonte, dass jedes Sichtbarmachen von Risikofaktoren für Herzkrankheiten wie Bluthochdruck, erhöhte Blutfett- oder Zuckerwerte wichtig sei. Deshalb sei es »absolut sinnvoll, niedrigschwellige Angebote wie Kontrollen in Apotheken einzubeziehen.«
Die Apotheker könnten beraten und auf die Dringlichkeit einer Abklärung beim Arzt hinweisen, so Blankenberg. Die Behandlung müsse dann in der Praxis erfolgen. Das sei gerade bei Blutzuckerwerten wichtig, da diese stark davon abhängig sind, was man in den letzten Stunden getrunken und gegessen habe. Beim Arzt werde ein Langzeitzuckerwert genommen, das sei bei einem Schnelltest in der Apotheke nicht möglich, so Blankenberg gegenüber der »Bild«.
Markus Beier, Bundesvorsitzender des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands, sieht Warkens Pläne kritisch. »Von diesem Plan halten wir überhaupt nichts«, verdeutlichte er. »Apotheken kennen sich mit Medikation aus, nicht mit medizinischer Versorgung. Das Geld und den Aufwand kann man sich getrost sparen. Es bringt nichts, einfach nur den Blutzucker oder das Blutfett von Patienten zu messen, ohne dass ein Arzt das Ergebnis in den Gesamtzustand des Patienten einordnet.«
Um einzuschätzen, ob ein Wert alarmierend ist oder nicht, sei es nicht ausreichend, nur auf einzelne Daten zu starren, sondern es müssten etwa auch Vorerkrankungen, weitere Blutwerte und andere Dinge berücksichtigt werden, so Beier weiter. »All das können und werden die Apotheken nicht überblicken. Wenn Apotheken jetzt einfach anlasslos ihre Kunden testen, dann führt das zwar zu vielen neuen Daten, medizinisch haben die Menschen aber keinen Mehrwert. Die Folge wird sein, dass sie massiv verunsichert werden. Das müssen wir Ärzte dann im Gespräch wieder mühsam einordnen.«