| Alexandra Amanatidou |
| 05.03.2026 16:24 Uhr |
Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will mehr Prävention in den Apotheken. / © © Zweilux – Agentur für Fotografie und Fotomanagement, Ludolf Dahmen
Apotheken sollen gestärkt und mehr in die Präventionsberatung eingebunden werden, sagte Nina Warken beim heutigen Präventionsgipfel der AOK und bezog sich dabei auf die Apothekenreform (ApoVWG). Tatsächlich sollen Apotheken laut Koalitionsvertrag zu Heilberufen werden. Im ApoVWG steht beispielsweise, dass Apotheken alle Totimpfstoffe bei volljährigen Personen verabreichen dürfen. Der Gesetzentwurf wurde vergangene Woche erstmals im Bundestag debattiert, und erst gestern hatten Verbände die Gelegenheit, sich im Gesundheitsausschuss zum Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) zu äußern.
In ihrer Rede sprach sich Warken auch für die notwendigen Maßnahmen im Gesundheitsbereich aus, die Ende des Monats von der Finanzkommission Gesundheit vorgestellt werden sollen. Für die Konsolidierung des Gesundheitswesens sei eine »gemeinsame Kraftanstrengung« notwendig. Es gehe darum, einen zweistelligen Milliardenbetrag pro Jahr einzusparen. »Wir müssen wieder besser mit den vorhandenen Mitteln haushalten«, sagte Warken. Die Maßnahmen »werden von allen etwas abverlangen«.
Außerdem sagte die Ministerin, dass die Zersplitterung der Akteure im Gesundheitsbereich laut dem Wissenschaftsrat die »systematische Stärkung der Prävention« erschwere. Dieses Problem wolle sie mit einer Präventionsstrategie lösen, in der alle Akteure gemeinsam an konkreten Zielen arbeiten. Die Früchte der Prävention können erst später geerntet werden und sind manchmal auch nicht direkt messbar. Daten sollen dabei helfen, die Erfolge von Prävention messbarer zu machen.
Das große Problem sei es, die Ein- und Ausgaben im Gesundheitssystem ins Gleichgewicht zu bringen. Es gibt Stimmen, die sagen, Prävention helfe bei den aktuellen Problemen nicht. Doch Prävention sorge dafür, dass Erkrankungen vermieden und Ressourcen geschont werden.
»Es kann keine Anstrengung zu viel sein, um beim Thema Prävention weiterzukommen. Wir wollen unser Gesundheitssystem langfristig und nachhaltig auf solide Pfeiler stellen«, sagte sie und fügte hinzu: »Angesichts der demografischen Entwicklung müssen wir jetzt handeln.«
Ungesunde Ernährung, Alkoholkonsum und Bewegungsmangel begünstigen Krankheiten wie Krebs, Demenz und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. »Wir müssen das Gesundheitssystem fit für die Zukunft aufstellen«, so Warken. Denn im internationalen Vergleich steht Deutschland schlecht da. So sei es zwar an erster Stelle bei den Gesundheitsausgaben, aber unter dem EU-Mittelwert, was die Lebenserwartung angehe.
Alkohol- und Tabakkonsum sowie der Konsum zuckerhaltiger Lebensmittel könnten durch eine Begrenzung der Werbung eingeschränkt werden. Das ließe sich aber nicht allein vom Bundesgesundheitsministerium (BMG) und allein im Sozialrecht umsetzen. »Da ist es in der Kommunikation ein sehr schmaler Grat. Man muss aufpassen und darf nicht den Anschein erwecken, bevormunden zu wollen«, sagte Warken.
Warken sprach auch über das Thema Gesundheitskompetenz. Informationen zu diesem Thema würden das Netz überfluten. Dabei falle es den Menschen schwer, seriöse von unseriösen Informationen zu unterscheiden. Auch KI-generierte Inhalte sieht die Ministerin kritisch. Viele Menschen fänden sich im System nicht zurecht. »Das belastet die Ressourcen des Gesundheitssystems und führt zu überfüllten Notaufnahmen der Krankenhäuser. Wir müssen die Struktur verändern.« Dabei soll das Primärversorgungssystem helfen. Es soll eine Ersteinschätzung per App, Telefon oder in der Hausarztpraxis geben.