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Ministerin beim PZ-Livetalk
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Warken verspricht 9,50 Euro

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will sich an den Koalitionsvertrag halten und die darin verankerte Fixumserhöhung auf 9,50 Euro umsetzen. Beim neuen PZ-Livetalk »Alex’ Doppelte Dosis« sagte die Ministerin, dass sie sich an die Ankündigung im schwarz-roten Koalitionsvertrag gebunden fühle. 
AutorKontaktCornelia Dölger
Datum 28.01.2026  14:00 Uhr

Bei der Premiere des neuen PZ-Formats gab die Ministerin am Dienstagabend in der Berliner Bellboy Bar zu verstehen, dass sie angesichts der Sparvorgaben im Gesundheitswesen zwar mit Widerstand gegen mehr Geld für die Apotheken rechne. »Da wird es auch Debatten geben.« Aber: »Das muss kommen«, die Apotheken könnten sich auf die Honorarerhöhung verlassen, so Warken vor rund 50 geladenen Gästen. Die Ministerin stellte sich den Fragen von PZ-Chefredakteur Alexander Müller.

Geplant ist im Rahmen der Reform außerdem, dass Apotheken und Kassen das Honorar künftig jährlich aushandeln. Gestartet wird beim erhöhten Fixum – nicht bei den derzeitigen 8,35 Euro, auch das machte Warken in Berlin klar. Die Verhandlungslösung müsse »da draufsetzen«, die Erhöhung müsse nicht erst verhandelt werden. Sie wolle »vertragstreu« bleiben, so Warken auf die Frage, ob es Alternativen zu einer Erhöhung gebe, falls die Widerstände allzu groß würden.

Den Apotheken ist ein Dorn im Auge, dass neben dem Festpreis auch der Drei-Prozent-Anteil mit ins Verhandlungspaket soll. Auf den würden die Kassen ja besonders schielen, so Müller. Warken entgegnete, mit dem erhöhten Wert habe man dann ja eine Basis. Das Parlament wolle »das Fixum umgesetzt wissen«, so Warken. Wo es am Ende geregelt werde, sei eine Verfahrensfrage.

Zeitplan für Reformpläne steht

Beim weiteren Verlauf des Gesetzgebungsverfahrens bleibe man im Zeitplan bis Sommer, zeigte sich Warken zuversichtlich. »Es gibt da keine unlösbaren Probleme, die wochenlang beraten werden müssten.« Mit dem Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) wird sich an diesem Freitag das Bundesratsplenum befassen. Der Gesundheitsausschuss der Länderkammer hatte unlängst mit 39 Empfehlungen Nachbesserungen am ApoVWG – und an den in der Änderungsverordnung geregelten Honorarplänen – gefordert.

Die Länder wollen demnach vor allem zwei Dinge: Die PTA-Vertretung soll ganz aus dem Gesetz raus und die Honorarerhöhung dürfe nicht länger aufgeschoben werden. Bis Mitte Februar werde die Bundesregierung mit einer Gegenäußerung reagieren, kündigte Warken bei »Alex’ Doppelte Dosis« an.

An der PTA-Vertretung hält die Ministerin allerdings fest. Auf eine »ketzerische Frage« Müllers antwortete sie, dass das von ihrem Amtsvorgänger Karl Lauterbach (SPD) ererbte Thema nicht nur in der Ministeriumsverwaltung Freunde hätte. »Mir ist es auch wichtig.« Dass die mit dem Kabinettsbeschluss eingegrenzte Regelung – etwa durch eine Testphase und höhere Anforderungen – ein »Massenphänomen« wird, glaube sie aber nicht.

Warken: Ansatz bei PTA-Vertretung bleibt richtig

Der Ansatz sei indes nach wie vor richtig, es habe auch zustimmende Rückmeldungen gegeben. Gerade kleineren Apotheken wolle man damit helfen. Apotheken zu schwächen und der Branche »Apotheken light« aufzudrücken, habe man nicht im Sinn gehabt.

Ein Einfallstor für Fremdbesitz sei die Regelung nicht, schon gar nicht nach der Verschärfung der Vorgaben, zeigte sich Warken überzeugt. Vielmehr handele es sich um eine »Lösung, die allen gerecht wird«. Was am Ende einer solchen Testphase stehen könnte, mochte die Ministerin nicht konkret einschätzen – nur so viel: Die Regelung könne auch wieder abgeschafft werden, »wenn sie nicht angenommen wird und am Ende des Tages nicht hilft«. Aber auch dazu werde man Gespräche führen.

Laut den Reformplänen sollen Apotheken mehr Aufgaben in der Primärversorgung übernehmen. Zur Primärversorgung gab es am Dienstag einen Fachdialog im Bundesgesundheitsministerium (BMG) – wobei die Apothekerschaft  zum Auftakt nicht eingeladen war. Auch das kam bei »Alex’ Doppelte Dosis« zur Sprache. Warken versicherte, dass die Apotheken in der zweiten Runde dabei sein würden.

Die Rolle der Apotheken in der Primärversorgung

Der Ministerin zufolge braucht es einen Ansatz, nicht nur vom Arzt aus zu denken, sondern »das System größer zu spannen«. Hier sollten die Aufgaben der Apotheken erweitert werden, auch um die Gesundheitskompetenzen der Menschen zu stärken und sie zu lotsen. Nicht jedes Bedürfnis der Menschen müsse »in die Arztpraxis führen«.

Die Vorhaben lehnen sich erkennbar an das Zukunftspapier Apotheke der ABDA an. Apotheken sollen demnach mehr testen und impfen und sich mit pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) stärker in die Prävention einbringen. Eine Rx-Akutversorgung in bestimmten Fällen ist vorgesehen, zudem mehr Kompetenzen in der Chronikerversorgung sowie ein erleichterter Arzneimittelaustausch.

Dass Apotheken Arzneimittel unter bestimmten Bedingungen ohne Rezept abgeben dürfen, rief die Ärzte mit harscher Kritik auf den Plan. Warken will daran aber festhalten – auch wenn es hier Gegenwind von den Ärzten gebe. Sie habe »schnell bemerkt, dass das nicht alle gut finden«, sagte sie in Berlin augenzwinkernd.

Sie sei aber zuversichtlich, dass Regelungen erarbeitet würden, die keine Haftungsrisiken für Apotheken darstellten, die den Patienten zugutekämen und die Ärzte nicht ausbooteten, so die Ministerin. Da gebe es »einen mehrfach doppelten Boden«. Gerade vor dem Hintergrund, dass das Versorgungsnetz nicht mehr so engmaschig sei, müsse »praktikabel« gedacht werden.

Es müsse sichergestellt werden, dass es sich lohne, eine Apotheke zu eröffnen, vor allem auf dem Land, betonte Warken. Apotheken müssten in die Lage versetzt werden, eine starke Rolle in der Prävention einzunehmen. »Prävention kann ja nicht irgendwo stattfinden.« Apotheken seien eine gute Anlaufstelle.

Für Frauengesundheit sensibilisieren

Auch beim Thema Frauengesundheit, das der Ministerin am Herzen liegt, sieht sie die Apotheken am Zug. Es müsse für das Thema sensibilisiert werden, so Warken, die auch Vorsitzende der Frauen Union ist. Themen wie Wechseljahre müssten offen angesprochen werden. Hier seien Apotheken bereits engagiert, wusste die Ministerin. Viel Nachholbedarf gebe es auch in der gynäkologischen Fachausbildung – hier komme etwa Endometriose gar nicht vor, das sei »schon erstaunlich«. Es brauche mehr Öffentlichkeit für das Thema – auch, um mehr Versorgungsforschung anzustoßen.

Die Ministerin gab auch Privates preis – was zum Konzept von »Alex’ Doppelte Dosis« gehört. Neben einem politischen Interview soll es auch um den Menschen hinter der Position gehen. Müller fragte also nach der Person Nina Warken und die Ministerin plauderte ein wenig aus dem Nähkästchen.

Verriet etwa, dass sie als Kind zu Fasching das Kostüm ihres Cousins auftragen musste, aber lieber Prinzessin gewesen wäre. Dass sie gern Sportjournalistin geworden wäre, was ihre Eltern aber »abwegig« fanden. Es wurde dann Jura. An den Duft des Apfelstreuselkuchens ihrer Oma erinnert sie sich gern zurück – und auch ans »Schlosscafé« in Tauberbischofsheim, das ihre Anlaufstelle zu Teenagerzeiten war. »Wir hatten auch mal eine Disco« – und Warken war eher im Team Nirvana als Fan der Backstreet Boys, wofür es beim Livetalk Applaus gab.

Grünkern statt Currywurst

Im Berliner Politikbetrieb echte Freunde zu finden, nannte Warken eine positive, überraschende Erfahrung. Berührt sei sie zuletzt auch bei einem Ortstermin auf einer Kinderintensivstation gewesen, vom Schicksal einer Familie, deren Baby mit einem Herzfehler zur Welt gekommen war, auch vom Engagement der Klinikteams in Tübingen.

Im Kreuzfeuer der Blitzfragen zum Ende des Events schlug Warken sich locker – und entschied sich für Grünkernküchle statt Currywurst, Poker statt Schach, Doppel statt Einzel oder Wandern statt Strandurlaub. Und ganz klar: vor Ort statt Versand.

Als »Extradosis« gab es im Anschluss noch eine erste Einschätzung des Ministerinnenbesuchs. ABDA-Präsident Thomas Preis wertete die Honoraraussage als die entscheidende. »Da fühlen wir uns abgeholt.« Man werde die Haltung und die Pläne der Ministerin unterstützen, sie müsse diese ja ihrerseits in der Fraktion durchsetzen.

Mark Böhm, CEO des Event-Partners Noventi, sah im Nachgang Früchte der politischen Arbeit der Standesvertretung. Dass die Ministerin sich in einem so kleinen Kreis zeige und zu Gesprächen bereit sei, verdeutliche, dass Dialog nun wieder möglich sei. »Jetzt kommen auch klare Zusagen, das macht doch so einen Abend aus«, so Böhm.

 

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