| Alexander Müller |
| 17.03.2026 13:26 Uhr |
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) setzt in der Prävention auf Apotheken. / © M.Firyn
Ein Drittel aller Todesfälle im vergangenen Jahr in Deutschland sei auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen, so Warken. »Das entspricht einer wirklich horrenden Zahl von 340.000 Todesfällen.« Den Risiken Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung, Rauchen und Alkoholkonsum komme dabei eine Schlüsselrolle zu, da sie auch andere nicht übertragbare Krankheiten begünstigten.
Solche Risikofaktoren müssten früher erkannt werden. Die Angebote seien aber zu wenig bekannt und würden gerade von diejenigen zu wenig genutzt, die am meisten davon profitieren könnten.
»Wenn wir die hohe Zahl der Herz-Kreislauf-Erkrankungen besser vermeiden wollen, ist es entscheidend, dass die Menschen die Angebote zur Früherkennung auch tatsächlich wahrnehmen«, so Warken. Deshalb werde sie die Schwelle senken und Angebote erweitern: »Zum Beispiel wollen wir die Apotheken stärker einbeziehen«, so Warken.
Konkret führte die Ministerin aus: »Künftig soll sich dann auch das Rote A um die drei Bs kümmern, nämlich die Messung von Blutdruck, Blutzucker und Blutfett, sodass die Tests auch in den Apotheken stattfinden können.«
Die kritische Reaktion der Ärzteschaft kam für Warken nicht überraschend: Kompetenzverteilung neu zu regeln, das finde immer eine Seite gut und die andere schlecht. Wenn Apotheken Blutdruck messen oder impfen, gehe die Welt nicht unter. »Wir wollen, dass die Menschen tatsächlich einen leichteren und einfacheren Zugang haben zu all diesen Dienstleistungen. Ich glaube, die Apothekerinnen, die Apotheker können das sehr gut«, so Warken.
In der Offizin sollten keine komplexen medizinischen Diagnosen und Einschätzungen vorgenommen werden. Warken will, dass sich die Menschen überhaupt mit dem Thema befassen und Angebote wahrnehmen. »Ich freue mich, dass die Kardiologen es positiv gesehen haben. Und meine Aufgabe ist es, alle anderen auch davon zu überzeugen, dass es positiv geht.«
Denn mit mehr Prävention ließen sich aus Sicht der Ministerin nicht nur persönliches Leid, sondern auch Kosten einsparen. Einnahmen und Ausgaben in der gesetzlichen Krankenversicherung ließen sich so wieder in die Balance bringen. Aktuell sei das Gesundheitssystem im europäischen Vergleich teuer, ohne dass es mehr gesunde Lebensjahre bringe.
Warken verspricht eine »Präventionsoffensive«. Besonders bei Kindern und Jugendlichen gehe es zunächst darum, ein gutes Gesundheitsbewusstsein schaffen. Aber Warken weiß auch, dass sich die Menschen nicht vom Staat bevormundet fühlen wollen. »Gerade wenn wir beim Lebensstil etwas bewirken wollen, ist in der Kommunikation ein sehr schmaler Grat. Das wissen wir alle«, so Warken.