| Verena Schmidt |
| 24.02.2026 10:30 Uhr |
Harmloser Infekt oder ernsthafte Erkrankung? Eine Lungenentzündung zeigt sich bei Kindern oft nicht eindeutig. / © Adobe Stock/andriano_cz
Bei einer Pneumonie liegt eine Entzündung im Bereich der Alveolen vor, meist infolge einer vorausgegangenen Infektion der oberen Atemwege. Die Diagnostik ist laut Apotheker Erik Prast von den Havelland-Kliniken deutlich anspruchsvoller als etwa bei einer Bronchitis oder Bronchiolitis, da die Symptome meist unspezifisch sind und stark variieren, je nach Alter, Lokalisation und Schweregrad der Entzündung. »Metanalysen haben gezeigt, dass die Kombination aus Fieber und Tachypnoe die höchste Spezifität für die Diagnose einer Pneumonie aufweist«, so Prast. Typisch seien außerdem Dyspnoe, Tachykardie, Erbrechen, feuchte Atem-Nebengeräusche bei der Einatmung sowie ein abgeschwächtes Atemgeräusch.
Im ambulanten Bereich erfolgt bei Verdacht auf eine Pneumonie eine Pulsoxymetrie. Liegt die Sauerstoffsättigung unter 92 Prozent, ist eine stationär überwachte Sauerstofftherapie notwendig. Bei der Aufnahme des Kindes werde im Krankenhaus auch gleich ein Blutbild angefertigt, berichtete Prast, denn: »Bei Nahrungsververweigerung und Dehydratation kann es zu einer Elektrolytverschiebung kommen und das kann zu einem größeren Problem werden als die Pneumonie selbst.«
Therapiert wird eine Pneumonie in erster Linie symptomatisch mit Sauerstoffzufuhr, Antipyrese und Flüssigkeitssubstitution. Ob die Gabe eines Antibiotikums indiziert ist, muss der Arzt individuell entscheiden. »Es gibt derzeit keinen einzelnen verlässlichen klinischen oder laborchemischen Parameter, der eine Antibiose rechtfertigt«, verdeutlichte Prast. Leitliniengemäß sind vor allem zwei Faktoren zu berücksichtigen: das Alter des Kindes und der Schweregrad der Pneumonie anhand des klinischen Bildes. »Schulkinder und Jugendliche mit schwerer ambulant erworbener Pneumonie sollen laut Leitlinie immer antibiotisch behandelt werden«, sagte der Krankenhausapotheker. Bei milderem Verlauf sowie bei Säuglingen und Kleinkindern werde anhand des klinischen Bildes entschieden. Die Mittel der Wahl sind Amoxicillin peroral und Ampicillin intravenös, bei einer Penicillinallergie alternativ Clarithromycin oder Doxycyclin (ab neun Jahren), jeweils peroral.
Gemischte Infektionen mit Viren und Bakterien liegen Prast zufolge bei bis zu 30 Prozent der Patienten vor. »Insbesondere bei einem zweiphasigen Fieberverlauf– das anfängliche Fieber sinkt zunächst, flammt aber nach einigen Tagen wieder stark auf – muss man eine Superinfektion in Betracht ziehen.« Berichten Eltern in der Apotheke über einen solchen biphasischen Verlauf, sei das ein Warnzeichen – Apotheker und PTA sollten sie dann umgehend an den Arzt verweisen.
Der Apotheker ging auch auf die »Sonderfälle« Covid- und Influenza-bedingte Pneumonien ein. Die Infektionen verliefen bei Kindern in den meisten Fällen mild und selbstlimitierend. Bei Risikokindern mit schwererem Verlauf werde bei SARS-CoV-2-Infektion als Mittel der Wahl Remdesivir über drei Tage gegeben, so Prast. Darüber hinaus kommen auch neutralisierende monoklonale Antikörper und bei einer Covid-Pneumonie mit Sauerstoffbedarf ein systemisches Steroid wie Dexamethason zum Einsatz. Bei einer Influenza-Infektion ist das Mittel der Wahl der Neuraminidase-Hemmer Oseltamivir. Der Wirkstoff ist bereits ab dem Alter von zwei Wochen zugelassen und kann im Gegensatz zu Zanamivir, Peramivir und Laninamivir oral als Saft gegeben werden.