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Kontrollverlust Wechseljahre
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Von Wut bis Weinkrampf ist alles drin

Aufbrausend, ängstlich, aggressiv – in den Wechseljahren geraten nicht nur die Hormone, sondern auch die Gefühle durcheinander. Wie sich die Stimmung stabilisieren lässt, erklärt das Autorenduo Dr. Katrin Schaudig und Katrin Simonsen.
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 11.11.2025  08:00 Uhr

Viele Frauen erleben die Wechseljahre als emotionale Achterbahnfahrt. Mal himmelhoch jauchzend, mal zu Tode betrübt – manche beschreiben diesen Zustand wie »Dr. Jekyll und Mr. Hyde«, zwei Persönlichkeiten in einem Menschen vereint. Schon Kleinigkeiten genügen, um Tränen oder Wutanfälle auszulösen. Solche Stimmungsschwankungen gehören zu den häufigsten Begleiterscheinungen der hormonellen Umstellung. Unter anderem über dieses Thema berichten die Gynäkologin Dr. Katrin Schaudig und die Moderatorin Katrin Simonsen in ihrem neuen Buch. Im Jahr 2023 hatten die beiden den erfolgreichen MDR-Podcast »Hormongesteuert« ins Leben gerufen.

Einige Frauen in den Wechseljahren erkennen sich selbst kaum wieder, sind dünnhäutig und schießen in normalen alltäglichen Situationen schnell übers Ziel hinaus. Das Gefühlschaos kommt einigen sogar wie ein Déjà-vu vor und erinnert sie an jene Tagen vor der Blutung. Die Rede ist von PMS (prämenstruelles Syndrom) oder die besonders schwere Form PMDS (prämenstruelle dysphorische Störung).

Wichtig ist, dass das Umfeld versteht, was passiert – so lassen sich Missverständnisse und Konflikte vermeiden. Darauf weisen die beiden Autorinnen hin. Auch Bewegung, bewusste Ernährung und Entspannungstechniken wirkten oft stabilisierend. Zudem könnten pflanzliche Mittel wie Johanniskraut oder Passionsblume helfen.

Risiko für Ängste steigt

Neben Stimmungsschwankungen treten in dieser Phase häufig auch Ängste oder sogar Panikattacken auf. Plötzlich entsteht Flugangst oder das Autofahren wird zur Belastungsprobe. Ursache sind neurochemische Veränderungen im Gehirn: Die Schwankungen von FSH, LH und anderen Steuerhormonen beeinflussen die Signalübertragung in den Arealen, die Emotionen und Stressverarbeitung regulieren.

Das Risiko, in den Wechseljahren eine Depression oder Angststörung zu entwickeln, ist demnach zwei- bis dreimal höher als in anderen Lebensphasen. Besonders gefährdet seien Frauen mit früheren seelischen Krisen, heißt es. Dazu zählen neben Depressionen auch Angst- und Essstörungen, eine PMDS oder auch der sogenannte Baby-Blues.

Bewegung, frische Luft und Schlaf bleiben die besten natürlichen Methoden, um die innere Balance zu erhalten. Sport fördert die Ausschüttung von Glückshormonen wie Serotonin und Dopamin. Schaudig und Simonsen weisen ebenfalls auf die Bedeutung von Ernährung hin. Die Forschung zeige, dass das Zusammenspiel von Darm und Gehirn unsere Stimmung erheblich beeinflusse.

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