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Flensburg
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Von der Notdienstapotheke zum Arbeitsamt

In Flensburg und Umgebung ist heute nur eine einzige Apotheke im Notdienst – ansonsten »ist der Norden dicht«. Während hier sogar zwei Notfälle versorgt wurden, zogen rund 60 Apothekenmitarbeitende symbolisch zum Arbeitsamt.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 23.03.2026  17:00 Uhr

Die Flensburger Apothekenteams hatten es wohl am weitesten zu den großen Kundgebungen. Einige hatten sich trotzdem auf den Weg nach Hannover oder Berlin gemacht, teils mit dem vom Apothekerverband organisierten Busshuttle durch Schleswig-Holstein, der in Flensburg startete. Es gab jedoch auch eine lokale Protestaktion, berichtet Mitorganisator Niklas Losse, Inhaber der Löwen-Apotheke und der Duburg-Apotheke, gegenüber der PZ.

Rund 60 Apothekenmitarbeitende versammelten sich zunächst vor der einzigen Apotheke in Flensburg und direkter Umgebung, die Notdienst hatte – zufällig die Duburg-Apotheke von Losse. Während hier an zwei Eingängen die Grundversorgung am Laufen gehalten wurde, zogen die Protestierenden mit Schildern und Plakaten in einem kurzen Fußmarsch die Waldstraße herunter bis zum Arbeitsamt – in der Hoffnung, dort nicht in Zukunft zu enden.

In Flensburg hatten sich zuvor alle Inhaberinnen und Inhaber zusammengesetzt und über die Schließungen am heutigen Tag beraten. Es habe am Anfang einige Zweifler gegeben, ihn selbst eingeschlossen, so Losse. Schnell habe aber auch die bundesweite Dynamik überzeugt, dass alle mitmachen, inklusive Centerapotheken, die eigentlich vertraglich zur Öffnung verpflichtet sind. Auch über die Presse wurde die Bevölkerung vorher informiert – natürlich auch über die Beweggründe für die Proteste.

Phasenweise bildete sich vor der einzigen notdiensthabenden Apotheke immer wieder eine Schlange – schließlich hat Flensburg rund 100.000 Einwohner und bis zur nächstgelegenen regulär geöffneten Apotheke waren es heute 40 Kilometer. Die Menschen zeigten größtenteils Verständnis. »Sie müssen auch mal für sich einstehen«, habe ein Mann zu Losse gesagt – damit die Apotheken morgen und in ein paar Jahren auch noch da sind.

Wie wichtig sie als erste Anlaufstellen sind, zeigte auch der heutige Tag. Die Kollegen im Notdienst leisteten Erste Hilfe bei einem Jungen mit einer Platzwunde – und sorgten dafür, dass eine Bluthochdruck-Patientin sofort ärztlich versorgt wurde. Sie kam eigentlich wegen ihres Rezepts und klagte über »Schwummrigkeit« und Kopfschmerzen. Trotz der eingeschränkten Lage heute bat man sie in die Apotheke zur Blutdruckmessung – der Wert lag über 200 mmHg. Nicht auszumalen, was passiert – oder eben nicht passiert –, wenn immer weniger niedrigschwellige Anlaufstellen wie die Apotheken vor Ort sich um die Menschen kümmern. 

Statt beim Arbeitsamt zu sitzen, gibt es wichtige Aufgaben zu erfüllen.

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