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EU-Abgeordnete Verheyen
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Volle Unabhängigkeit von Generika nicht möglich

Die PZ hat mit Sabine Verheyen (CDU), EU-Abgeordnete und erste Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, über die Produktion von Medikamenten in Europa und den Reformbedarf der Europäischen Union (EU) gesprochen.  
AutorKontaktAlexandra Amanatidou
Datum 30.01.2026  12:30 Uhr

Mit Blick auf die Medikamentenproduktion in der Europäischen Union räumte Sabine Verheyen realistisch ein: »Wir werden nicht die gesamte Generika-Produktion nach Europa verlagern können.« Die CDU-Politikerin glaubt nicht, dass Europa eine vollständige Unabhängigkeit erreichen könne. »Aber wir müssen unsere Abhängigkeit verringern«, sagt sie. Wichtig sei es dabei, dass die Grundstoffe für Medikamente einfacher erhältlich seien und die Chemieindustrie mehr Freiheiten habe. 

Mit dem »Critical Medicines Act« (CMA) versucht die Europäische Union, die Verfügbarkeit von lebenswichtigen Arzneimitteln zu verbessern. Mitte Januar verabschiedete das EU-Parlament einen Bericht zum CMA und will nun die Trilog-Verhandlungen mit den EU-Regierungen über die endgültige Fassung des Gesetzes aufnehmen. 

Kritik an MDR-Vorschriften

Kritisch sieht die CDU-Politikerin auch die verschärften Vorschriften der Medical Device Regulation (MDR) der EU.  Aufgrund des Skandals um schadhafte Brustimplantate des französischen Herstellers PIP im Jahr 2010 war die alte Regelung für Medizinprodukte durch eine neue MDR ersetzt worden. 

»Wir hätten nach dem Skandal das EU-Recht anders durchsetzen und kontrollieren müssen. Wir setzen zwar auf eine Verschärfung der Gesetzgebung, aber das Problem liegt eher in deren Durchführung und Einhaltung«, sagt Verheyen gegenüber der PZ. »Die Politik muss Ziele definieren, aber nicht jeden einzelnen Weg vorgeben. Die EU braucht mehr Mut und Entschlossenheit für Veränderungen.«

Auch aus Sicht der MedTech-Branche wurde mit der neuen EU-Verordnung überreguliert. Mitte Dezember wurden die Vorschriften der EU-MDR-Verordnung vereinfacht. Vorschriften, die Hersteller dazu verpflichteten, bestehende Zertifikate ihrer Medizinprodukte alle fünf Jahre neu bewerten und bestätigen zu lassen, wurden gekippt. Die Branche hat noch bis Ende 2027 Zeit, sich auf die neuen Zulassungs- und Prüfvorgaben einzustellen. Für risikoärmere Produktgruppen wird eine Übergangsphase bis Ende 2028 eingeräumt.

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