| Barbara Döring |
| 10.03.2026 15:00 Uhr |
Hobby fürs Hirn: Vogelbeobachtung könnte der kognitiven Reserve zugute kommen. / © Adobe Stock/Akarawut
Das Hobby gilt mitunter als etwas schrullig – doch Vogelbeobachtung steht dem Lernen von Sprachen oder eines Musikinstruments offenbar in nichts nach, zumindest was die Auswirkungen auf das zentrale Nervensystem angeht. Ein Wissenschaftlerteam der University of Toronto hat festgestellt, dass sich die grauen Zellen bei diesen Tätigkeiten in ähnlicher Weise umgestalten.
Für ihren Versuch verglichen sie die Gehirne von 29 Vogelbestimmungsexperten mit denen von 29 Personen, die mit der Vogelbeobachtung erst anfingen, und nutzten dafür bildgebende Verfahren wie die funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRT). Während des Scans betrachteten die Teilnehmenden für etwa vier Sekunden das Bild eines Vogels. Zehn Sekunden später sollten sie die Art auf einer Abbildung mit vier ähnlichen Vogelarten wiedererkennen.
Versierte Vogelbeobachter und -beobachterinnen erzielten dabei deutlich bessere Ergebnisse als die Laien: Sie erkannten durchschnittlich 83 Prozent der heimischen Arten wieder und 61 Prozent der nicht heimischen Arten. Die Kontrollgruppe erreichte in beiden Fällen gerade mal 44 Prozent. Vor allem bei der Identifikation nicht heimischer Vögel zeigten die Kenner erhöhte Aktivität in Gehirnregionen, die unter anderem für Aufmerksamkeit und Arbeitsgedächtnis relevant sind.
Der Effekt war nicht nur von kurzer Dauer. So fanden die Forschenden auch Hinweise auf dauerhafte strukturelle Veränderungen: Bei dieser als Neuroplastizität bezeichneten Anpassungsfähigkeit des Gehirns, die für den Aufbau von Wissen relevant ist, werden relevante Nervenbahnen gestärkt, während nicht benötigte Verbindungen verblassen. Das Autorenteam folgert aus dem im Fachjournal Fachjournal »JNeurosci« veröffentlichten Ergebnissen, dass Vogelbeobachtung zur kognitiven Reserve beitragen und Alterungsprozessen sowie neurologischen Schäden vorbeugen könnte.