Laut dem Verband vfa entfallen nur 1,5 Prozent der weltweiten Wagniskapitalfinanzierungen im Gesundheitsbereich auf Deutschland. / © Adobe Stock/Bogdan
Deutschland und Europa verfügen nach vfa-Angaben über starke wissenschaftliche Grundlagen, haben aber zu wenig Wagniskapital, auch Venture Capital (VC) genannt. Laut vfa-Analyse fließen demnach nur 2,5 Prozent des weltweit investierten Wagniskapitals, das als zentraler Treiber für Innovation, Unternehmensgründungen und wirtschaftliches Wachstum gilt, nach Deutschland. Im Gegensatz dazu ziehen die USA fast die Hälfte aller weltweiten Risikokapitalströme an und investieren rund ein Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts in Wagniskapital. Das sei ein fünfmal höherer Anteil als in Europa und deutlich mehr als in Deutschland. Auch Länder wie Israel, Singapur oder die Vereinigten Arabischen Emirate würden beim VC-Anteil am Brutto-Inland-Produkt (BIP) klar vor europäischen Ländern liegen.
Laut vfa entfallen nur 1,5 Prozent der weltweiten Wagniskapitalfinanzierungen im Gesundheitsbereich auf Deutschland. Das habe zur Folge, dass pharmazeutische und biotechnologische Innovationen nur schwer den Weg aus den Laboren in die Skalierung finden.
»Für Deutschland ist die Situation besonders herausfordernd. Trotz exzellenter wissenschaftlicher Grundlagen gelingt es zu selten, diese in wachstumsfähige Unternehmen zu überführen«, sagt Claus Michelsen, Chefvolkswirt des vfa. Gerade die Wirkstoffentwicklung sei sehr kapitalintensiv und risikoreich. Gleichzeitig sei der deutsche VC-Markt im internationalen Vergleich zu klein, um forschungsintensive Start-ups über die klinische Entwicklung hinaus zu begleiten.
»Um die Lücke zu den USA zu verringern, braucht Europa ein starkes Kapitalmarktsystem mit tieferen Finanzmärkten, harmonisierten Regeln und funktionierenden Exit-Kanälen. Öffentliche Mittel sollten konsequent genutzt werden, um privates Wagniskapital stärker zu hebeln. Zusätzlich sind Verbesserungen bei steuerlichen Anreizen nötig, sowohl für private Beteiligungen an Risikokapital- und Wachstumsfonds als auch für F&E-Investitionen«, so Michelsen.