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Marktanalyse
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Versender-Ranking in Bewegung 

Die Unternehmensberatung Sempora listet in einem Ranking die für den deutschen Markt relevantesten Arzneimittelversender auf. Die großen Player dominieren, kleinere sind abgeschlagen. Neuen Wettbewerbsdruck löst der Einstieg des Drogerieriesen dm in den OTC-Versandhandel aus.
AutorKontaktCornelia Dölger
Datum 04.02.2026  10:06 Uhr

Acht Player haben es ins Ranking der Unternehmensberatung geschafft, die mit ihrer »Internet Pharmacy Landscape« zum Jahresauftakt 2026 »Klarheit« schaffen will, welche Relevanz die einzelnen Versender aktuell in den Märkten haben. Zugrunde liegen Umsatzzahlen aus dem Jahr 2025.

Angeführt wird die Liste von Redcare Pharmacy (vormals Shop Apotheke) mit 1,55 Milliarden Euro. Ein Drittel davon fährt die Shop Apotheke demnach inzwischen mit Rx ein. Redcare hatte Anfang Januar seinen Gesamtumsatz für 2025 nach vorläufigen Zahlen mit 2,9 Milliarden Euro angegeben.

Rund eine Milliarde Umsatz machte laut dem Ranking Mitbewerber Doc Morris, etwa 250 Millionen entfallen auf Rx, was einer Steigerung um etwa ein Drittel gegenüber dem Vorjahr entspricht. Zur Doc-Morris-Gruppe gehören Medpex und Apotal, deren Umsätze in die Sempora-Statistik mit einfließen: Zehn beziehungsweise zwölf Millionen Euro Rx-Umsatz brachten die beiden Marken ein.

Bei OTC mit insgesamt 820 Millionen Euro Umsatz entfällt mit 470 Millionen der Löwenanteil auf Doc Morris, Medpex generiert 190 Millionen, Apotal 160 Millionen Euro. Über Apotal und Esando ist Doc Morris auf dem Amazon-Marketplace aktiv.

Handelsgigant Amazon belegt mit seinem Apothekensortiment Platz 3 der Liste und weist einen OTC-Umsatz von 430 Millionen Euro über Versandapotheken sowie »Amazon vendor & others« aus, also Anbieter, die ihre Produkte direkt über Amazon verkaufen.

dm noch Schlusslicht

Platz vier und fünf belegen die Apocom-Group mit Apodiscounter (335 Millionen) und Medikamente-per-Klick (305 Millionen). Mit Rx machte Apodiscounter 35 Millionen Euro Umsatz, Medikamente-per-Klick 15 Millionen.

Aponeo als Teil der Atida-Gruppe erzielte der Liste zufolge 182 Millionen Euro Gesamtumsatz (Rx: zwei Millionen) und belegt Platz sechs. Mit Sanicare ist eine deutsche Versandapotheke im Ranking auf Platz sieben vertreten, die einen zweiten Standort in den Niederlanden plant. Das Bad Laerer Unternehmen beklagt allzu starke regulatorische Zwänge in Deutschland. Von den 60 Millionen Euro Gesamtumsatz entfielen bei Sanicare drei Millionen auf Rx. Mit der Marke »Homöopathiefuchs« ist Sanicare auf Amazon aktiv.

Noch unter einer Million Euro Gesamtumsatz bleibt OTC-Versandhandelsneuling dm und ist damit das Schlusslicht auf der Liste. Der Karlsruher Drogerieriese verschickt allerdings auch erst seit dem 16. Dezember 2025 OTC aus Tschechien. Für Ulrich Zander, Sempora-Managing-Partner, ist dm »der Elefant im Raum«. Zander fragt sich, wann dm und Mitbewerber Rossmann, der unlängst eigene Versandpläne konkretisierte, »ihre volle Wirkung im Markt entfalten« und welche Rolle neben online das stationäre Business der Einzelhändler spielen werde.

Thomas Golly, ebenfalls Sempora-Managing-Partner, ergänzt: »Das Wettbewerbsumfeld zieht sich weiter auseinander: Die Top Player enteilen dem Markt, Akteure aus der zweiten Reihe ringen um die richtige Balance aus Wachstum und Profitabilität, Online Apotheken aus der dritten Reihe sind zunehmend gefährdet.«

Neben dm und Rossmann sondieren weitere Einzelhändler ihre Möglichkeiten im Gesundheitsmarkt. Kaufland pilotiert derzeit ein telemedizinisches Angebot, auch Lidl (beide Schwarz-Gruppe) prüft den Einstieg. Auch wenn sich der Markt verschiebt und neuer Wettbewerbsdruck entsteht, geben sich Alteingesessene gelassen. Doc Morris lässt wissen, dass man sich grundsätzlich nicht zu anderen Marktteilnehmern äußere. Ein Sprecher sagte nur so viel: Seit Jahren sei der deutsche OTC-Online-Markt »wettbewerbsintensiv«.  Mit einem Onlineanteil von rund 28 Prozent werde er »rege genutzt«. 

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