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Reformpläne
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Versandapotheke: Mehr Kontrolle ist zu teuer

Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) will Versender stärker kontrollieren und mit einer geänderten Apothekenbetriebsordnung (ApoBetrO) strengere Vorgaben einführen. Der Versandapotheke Mycare ist das zu teuer.
AutorKontaktCornelia Dölger
Datum 10.03.2026  09:00 Uhr

Über eine Änderungsverordnung, die parallel zum Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) auf den Weg gebracht wurde und sich derzeit in Brüssel zur Notifizierung befindet, will das BMG die Versender einfangen. Mit Änderungen an der Apothekenbetriebsordnung (ApoBetrO) sollen Versendern strengere Vorgaben für Transport, Temperaturüberwachung und Dokumentation entlang der gesamten Lieferkette auferlegt werden. Das BMG will damit für die berühmten »gleich langen Spieße« von lokalen und Versandapotheken sorgen.

Roland Helle, Apotheker und Geschäftsführer der Versandapotheke Mycare, warnt in diesem Zusammenhang davor, dass strengere Anforderungen an Transport, Temperaturüberwachung und Dokumentation den Aufwand erhöhen könnten. In der Folge könnten Medikamente »auf diesem Weg spürbar teurer« werden. Die geplante Änderung der ApoBetrO greife »tief in bestehende Versorgungs- und Logistikstrukturen ein«, so Helle in einer Mitteilung.

Denn für Versandapotheken würde dies ihm zufolge bedeuten, dass Sendungen künftig mit speziell geprüften Verpackungen ausgestattet, mit elektronischen Temperatur-Loggern versehen und lückenlos dokumentiert sowie archiviert werden müssten. Zudem müsse sichergestellt werden, dass auch die Transportdienstleister diese Anforderungen entlang der gesamten Lieferkette einhielten; dies könnten allein spezialisierte Logistikunternehmen sein, die im GDP-regulierten Arzneimitteltransport tätig sind – und die »deutlich höhere Zustellgebühren« verlangten als klassische Paketdienstleister.

»Kein belegter systemischer Schadenfall bekannt«

Helle führt aus: »Im Massengeschäft mit mehreren Tausend Sendungen pro Tag führt bereits eine Mehrbelastung von vier bis fünf Euro pro Paket zu einer jährlichen Zusatzbelastung in Millionenhöhe. Bei mehreren Tausend Paketen pro Werktag summiert sich dies auf fünf bis 6,25 Millionen Euro pro Jahr.« Diese Größenordnung sei für Versandapotheken »kein marginaler Kostenblock, sondern ein struktureller Eingriff in die Wirtschaftlichkeit des Geschäftsmodells.«

Helle kritisiert zudem die »faktische Ungleichbehandlung verschiedener Versorgungswege«. Versandapotheken müssten sämtliche Versandkosten selbst tragen, während lokale Apotheken »unter bestimmten Voraussetzungen eine Zustellpauschale mit den Krankenkassen abrechnen können«. Obendrein sollten nun die verschärften Vorgaben kommen – »obwohl kein belegter systemischer Schadenfall im regulierten Versandhandel bekannt ist«. 

Für »vergleichbare Qualitätsanforderungen« müsse auch der regulatorische Rahmen »wettbewerbsneutral ausgestaltet« sein, so Helle. »Eine einseitige Verschärfung für Versandapotheken führt nicht zu mehr Patientensicherheit, sondern verschiebt Kosten und Wettbewerbsbedingungen.«

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