| Christina Hohmann-Jeddi |
| 14.10.2026 16:20 Uhr |
Hinter nächtlichen Attacken von bellendem Husten bei kleinen Kindern steckt meist ein sogenannter Pseudokrupp, auch Laryngitis subglottica genannt. / © Getty Images/Andrey Sayfutdinov
Aktuell wird von einer Zunahme von Pseudokrupp-Erkrankungen berichtet. So erklärt etwa der Duisburger Kinderarzt Dr. Christoph Fangmann gegenüber der Zeitung »WAZ«, dass er ungewöhnlich viele Kinder mit Infektionen behandle, in deren Folge auch Pseudokrupp-Anfälle auftreten können. »Im Augenblick sind viele Kinder krank mit Pseudokrupp«, bestätigt Dr. Bettina Volkmer, Kinderärztin aus Lörrach, gegenüber der PZ. Eine ungewöhnliche Häufung sieht sie aber nicht, vielmehr trete diese Erkrankung typischerweise in der kälteren Jahreszeit häufiger auf. »Im Moment ist eben typisches Pseudokrupp-Wetter.«
Was ist Pseudokrupp und wie wird die Erkrankung verursacht? Bei Pseudokrupp sind die oberen Atemwege, vor allem der Kehlkopf unterhalb der Stimmlippen, entzündet. Daher wird die Erkrankung auch als Laryngitis subglottica bezeichnet. Durch die Entzündung und Verengung der Atemwege treten die charakteristischen Symptome auf: Bellender, starker Husten, Atemnot, Heiserkeit und Pfeifgeräusche beim Einatmen. »Für die Kinder und ihre Eltern können diese Anfälle sehr bedrohlich sein«, sagt Volkmer. Die Symptome verschwinden meist von selbst wieder. Angst kann die Beschwerden jedoch noch verstärken.
Daher ist es wichtig, das Kind bei einem Anfall in den Arm zu nehmen, um es zu beruhigen, und sich mit ihm aufrecht hinzusetzen, was das Atmen erleichtert. Häufig wird empfohlen, sich vor ein geöffnetes Fenster zu setzen, da die kalte, feuchte Luft helfen soll, die Atemwege wieder abschwellen zu lassen. Die Evidenz dafür ist aber gering.
Die Anfälle treten vor allem bei kleinen Kindern bis sechs Jahre auf, weil bei ihnen die Atemwege noch rund um den Kehlkopf sehr eng sind. Selten sind auch größere Kinder oder Jugendliche betroffen. Auslöser für die Entzündung des Kehlkopfs sind in der Regel virale Infektionen, vor allem mit Parainfluenza-, Influenza-, Rhino- oder Adenoviren. Aber auch bakterielle Infektionen oder Allergien können die Ursache sein. Laut dem aktuellen wöchentlichen Bericht des Robert-Koch-Instituts zu akuten respiratorischen Erkrankungen (ARE) vom 7. Oktober wird die ARE-Aktivität derzeit vor allem von Parainfluenza- und Rhinoviren bestimmt.
Zu den Anfällen kommt es in der Regel nachts. Als Grund hierfür wird die zirkadiane Cortisol-Rhythmik vermutet: In der Zeit zwischen 0 und 4 Uhr nachts liegen die Cortisol-Spiegel am niedrigsten.
Bei starken oder anhaltenden Beschwerden sollte das Kind ärztlich untersucht werden. Zu den Warnzeichen, bei denen ein Notarzt gerufen werden sollte, zählen eine bläuliche oder graue Verfärbung um Mund und Nase, wenn sich die Haut beim Einatmen zwischen den Rippen oder am Hals einzieht oder wenn das Kind auffällig teilnahmslos und schwach wirkt.
Cortison-haltige Präparate wie Zäpfchen oder Lösungen reduzieren die Schwellung, wirken aber erst mit einer gewissen Verzögerung. Im Notfall kann auch Adrenalin mithilfe eines Verneblers appliziert werden. Bei wiederkehrenden Anfällen kann es hilfreich sein, ein Cortison-Präparat im Haus zu haben.