| Lukas Brockfeld |
| 18.02.2026 16:20 Uhr |
Nach eigener Aussage wurden viele Versicherte nicht ausreichend über die ePA informiert. / © Imago/onemorepicture
Seit dem 1. Oktober 2025 sind Apotheken, Arztpraxen und andere Leistungserbringer zur Nutzung der ePA verpflichtet. Die Einführung der neuen Akten ging mit intensiven Diskussionen, insbesondere mit Blick auf die Sicherheit und den Datenschutz einher. Die Kritik reißt seit dem ePA-Start nicht ab. So bemängelte der Vorsitzende des Deutschen Hausärztinnen- und Hausärzteverbands, Markus Beier, unlängst die Störanfälligkeit der Technik und die fehlende Volltextsuche.
Außerdem wurde immer wieder darauf hingewiesen, dass nur wenige Versicherte ihre ePA aktiv nutzen und verwalten. Das ist insbesondere aufgrund der hochsensiblen Gesundheitsinformationen problematisch. Eine am Mittwoch vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) vorgestellte repräsentative Befragung untermauert diesen Kritikpunkt.
Im Auftrag des vzbv wurden 1037 gesetzlich Versicherte telefonisch von Forsa befragt. 94 Prozent der Befragten gaben an, die ePA zu kennen, doch 71 Prozent verwalten ihre Akte nicht aktiv. 9 Prozent haben der Einrichtung der ePA widersprochen oder diese löschen lassen. 75 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich noch nicht mit der ePA auseinandergesetzt haben. 33 Prozent sehen keinen persönlichen Nutzen in ihrer Patientenakte. 13 Prozent verzichten aufgrund von Datenschutzbedenken auf eine aktive Nutzung.
Die ePA-Daten werden für die wissenschaftliche Forschung eingesetzt. Doch nur 25 Prozent der Umfrageteilnehmenden waren sich bewusst, dass ihre Gesundheitsinformationen pseudonymisiert an die Wissenschaft weitergegeben werden.
In einem separaten und nicht repräsentativen Verbraucheraufruf schilderten die Versicherten fehlende Funktionen, unzureichende Informationen sowie komplizierte Freischaltungsprozesse als Hürden im Umgang mit der ePA. Auch fehlende Unterstützung und unklare Informationen durch die Krankenkassen wurden beklagt. Die Verbraucher schilderten auch, dass sie den Datenzugriff nicht ausreichend regeln konnten und dass viele Arztpraxen die ePA nicht nutzen oder wichtige Informationen nicht hochladen.
Angesichts dieser Zahlen wünschen sich die Verbraucherschützer ein Update der ePA, um ihre Akzeptanz und Relevanz zu erhöhen. »Die ePA muss alltagsnahe Mehrwerte für Versicherte schaffen. Wir erwarten vom Gesundheitsministerium einen klaren und verbindlichen Zeitplan für weitere Funktionalitäten wie einen digitalen Impfpass, das Zahnbonusheft und den Mutterpass. Das alles sollte mit automatisierter Erinnerung laufen, zum Beispiel an anstehende Impftermine«, forderte vzbv-Vorständin Ramona Pop bei einer Pressekonferenz am Mittwoch.
Auch die Steuerungsmöglichkeiten in der Akte sollten verbessert werden. »Versicherte müssen genau einstellen können, welche Praxis Zugriff auf welche Informationen erhält. So möchten Patientinnen und Patienten möglicherweise psychotherapeutische Befunde mit der Hausarztpraxis teilen, jedoch nicht unbedingt mit der Zahnarztpraxis«, so Pop.
Außerdem brauche es ein breiteres Informationsangebot. »Die Krankenkassen und das Gesundheitsministerium müssen die Versicherten verständlich und umfassend zur ePA informieren. Das kam bislang zu kurz«, sagte Pop und verwies auf ein weiteres Ergebnis der Befragung: Nur 54 Prozent der Versicherten gaben an, dass sie mit einem Schreiben oder über öffentliche Informationen von ihrer Krankenkasse über die ePA informiert wurden.