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Therapeutisches Drug Monitoring
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Variabilität statt Standarddosis

Therapeutisches Drug Monitoring (TDM) ist weit mehr als das Messen von Arzneistoffkonzentrationen im Blut. In dem komplexen, interdisziplinären Prozess spielen Krankenhausapotheker eine zentrale Rolle, da sie pharmakokinetisches Wissen mit klinischer Expertise verbinden und so aktiv zur Optimierung der Patientenversorgung beitragen.
AutorKontaktAnna Tabea Frey
Datum 07.01.2026  07:00 Uhr

Ein 78-jähriger Intensivpatient wird wegen einer nosokomialen Pneumonie mit dem Cephalosporin Cefepim in der Normdosierung von dreimal täglich 2000 mg behandelt. Nach wenigen Tagen treten Verwirrtheit und Halluzinationen auf. Der gemessene Serumtalspiegel liegt mit 88 mg/l deutlich oberhalb des angestrebten Talwertes von < 8 mg/l. Die neurotoxische Akkumulation kann auf eine reduzierte renale Elimination zurückgeführt werden, woraufhin die Dosis reduziert wird.

Das Fallbeispiel zeigt, dass mithilfe eines TDM der Verdacht einer Überdosierung verifiziert werden und die Behandlung über eine Therapiepause beziehungsweise Dosisreduktion individuell angepasst werden kann. Standarddosierungen sind aufgrund der pharmakokinetischen Variabilität bei kritisch Kranken oft ungeeignet. Eine »one size fits all«-Strategie funktioniert bei diesen Patienten nicht – hier setzt das TDM an.

Klassischerweise wird ein TDM bei Substanzen mit enger therapeutischer Breite angewendet, insbesondere wenn Fehldosierungen fatale Auswirkungen haben können. Dazu gehören Immunsuppressiva, Lithium, Antikonvulsiva oder bestimmte Antiinfektiva wie Vancomycin und Aminoglykoside. Zunehmend kommt es auch bei vielen Psychopharmaka, Antimykotika, β-Lactam-Antibiotika, Fluorchinolonen oder Linezolid zum Einsatz.

Ziel ist eine wirksame und sichere Therapie; bei Antibiotika sollen zudem Resistenzentwicklungen minimiert werden. Leitlinien empfehlen den Einsatz eines TDM bei Hochrisikopatienten, etwa bei septischen Intensivpatienten oder unter Nierenersatzverfahren.

Apotheker im TDM-Prozess

Der Prozess beginnt bereits mit der ärztlichen Prüfung der Indikation und Auswahl eines Arzneistoffs. Dann wird die optimale Applikationsart und empirische Dosierung festgelegt, wobei Stationsapotheker beratend unterstützen können. Für ein verwertbares Laborergebnis sind Logistik und Präanalytik entscheidend, da nur bei korrekter Blutabnahme, präziser Dokumentation und zügigem Transport ins Labor aussagekräftige Messergebnisse erzielt werden können.

Die eigentliche Messung erfolgt mit validierten Verfahren unter internen Qualitätskontrollen im Labor. Der Messwert allein entscheidet allerdings nicht über Therapieänderungen. Essenziell ist eine fundierte Interpretation der Konzentrationswerte im klinischen Kontext in Absprache mit dem behandelnden Arzt. Die Empfehlungen werden dokumentiert und nachverfolgt.

Apotheker übernehmen beim TDM häufig die Organisation des standardisierten Ablaufs und die Koordination der beteiligten Berufsgruppen. Sie unterstützen bei der Bewertung der Messergebnisse im Kontext von klinischem Verlauf, Parametern wie Nierenfunktion oder extrakorporalen Verfahren und leiten daraus konkrete Dosisempfehlungen ab. Die Empfehlungen müssen zeitnah weitergegeben werden, sodass eine gemeinsame Therapieentscheidung getroffen werden kann.

Dabei sind Apotheker die Schnittstelle zwischen Labor und Klinik, wobei klare Kommunikation im interprofessionellen Team unerlässlich ist. In vielen Kliniken besteht die Möglichkeit, im Rahmen eines Antibiotic-Stewardship-Programms (ABS) oder als Stationsapotheker pharmakokinetische Expertise und klinische Erfahrung einzubringen. Durch eine TDM-Routine wird so die Etablierung der klinischen Pharmazeuten in einem interessanten und relevanten Arbeitsbereich gefördert.

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