| Daniela Hüttemann |
| 27.02.2026 13:30 Uhr |
Meditation und bewusste Atmung können das Gespür für den eigenen Körper verbessern und sich positiv auf die Gesundheit auswirken. / © Getty Images/Jamie Grill
Spüre ich meinen Herzschlag? Das Grummeln im Darm? Sitzt mir »ein Kloß im Hals«? »Die eigene Körperwahrnehmung ist extrem wichtig für unsere Gesundheit«, betonte Professor Dr. Karl-Jürgen Bär, Direktor der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie am Uniklinikum Jena, kürzlich anlässlich einer Pressekonferenz zum Deutschen Kongress für psychosomatische Medizin und Psychotherapie. »Eine fein abgestimmte, sensible Körperwahrnehmung ist in der Regel mit guter psychischer Gesundheit assoziiert.« Interozeption nennt man diese Fähigkeit.
Umgekehrt hätten Menschen mit psychischen Erkrankungen oft eine schlechte Körperwahrnehmung. Auch bei chronischen Schmerzen nehmen die Betroffenen interozeptive Prozesse weniger wahr. »Die Wahrnehmung von Schmerz ist kein direkter Spiegel körperlicher Schädigung, sondern das Ergebnis komplexer Wechselwirkungen zwischen physiologischen Signalen, Emotionen, Erwartungen und Lernerfahrungen«, erläuterte Bär. »Vergleichbare Verletzungen können daher mit sehr unterschiedlichen Empfindungen einhergehen.« Die Patienten hätten häufig auch Probleme, ihre Emotionen zu spüren. »Negative Emotionen verstärken Schmerzen, auch wenn ich mir meines Ärgers oder Stresses nicht bewusst bin.«
Bär rät, den Sinn für das Innere gezielt zu trainieren. »Wenn man zum Beispiel auf seinen eigenen Herzschlag achtet, kann eine Angstsymptomatik zurückgehen.« Kernaspekte des Interozeptions-Trainings sind Achtsamkeitsübungen wie der Bodyscan, Yoga und Atemübungen, bestimmte Massagetechniken oder auch eine gezielte Provokation körperlicher Empfindungen wie Herzrasen oder Schwindel durch schnelles Atmen oder Drehen, um zu lernen, diese Signale besser zu verarbeiten.
Auch expressive Körperbewegungen und neue, ungewohnte Bewegungserfahrungen können laut Bär gezielt genutzt werden, um emotionales Erleben zu verändern und therapeutische Prozesse anzustoßen. »Körperwahrnehmung ist kein Randthema, sondern ein Schlüssel zum Verständnis von Gesundheit, Krankheit und Heilung – über Disziplingrenzen hinweg.«