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Hyposensibilisierung: effektive Therapie beiTyp-I-Allergien

Datum 11.08.1997  00:00 Uhr

- Titel

Govi-Verlag

Hyposensibilisierung: effektive Therapie bei Typ-I-Allergien

Die Hyposensibilisierung ist neben Allergenkarenz, Gabe von Medikamenten und alternativen Methoden eine der möglichen Therapien bei Allergien vom Typ-1. Sie dauert in der Regel drei Jahre und beruht auf der Applikation von Allergenen in genau festgelegten Zeitabständen und in steigender Konzentration bis zum Erreichen einer Erhaltungsdosis. Dadurch werden vom Immunsystem allergenspezifische blockierende IgG-Antikörper gebildet, die das Allergen abfangen, bevor es an IgE-Antikörper auf den Mastzellen bindet und allergische Reaktionen auslösen kann.

Bei Menschen, die auf Hausstaub, Pollen oder Insektenstiche allergisch reagieren, können gute Erfolge erzielt werden (Erfolgsquote über 60 Prozent). Bei Tierhaar-, Schimmelpilz-, Nahrungsmittel- und Medikamentenallergien hilft die Hyposensibilisierung jedoch nicht.

Die immunologische Therapie ist mit Risiken und Nebenwirkungen, aber auch mit persönlichem Aufwand für den Patienten verbunden. Erfolgversprechend ist sie nur, wenn mehrere Kriterien erfüllt sind:
  • Das oder die Allergene wurden eindeutig identifiziert. Die Allergie wird sicher durch IgE-Antikörper vermittelt.
  • Allergenextrakte und Allergene stehen in ausreichender Menge zur Verfügung. Es müssen nicht mehr als vier Allergene injiziert werden.
  • Das Allergen kann nicht vermieden werden. Medikamente können den Verlauf nicht stoppen.
  • Die Erkrankung besteht nicht länger als fünf Jahre. Der Patient ist nicht älter als 50 Jahre. Seine persönlichen Verhältnisse erlauben den häufigen Arztbesuch.

Herstellung der Allergenextrakte

Ziel der Allergenextrahierung ist es, die natürliche Struktur und chemische Zusammensetzung so weit wie möglich intakt zu erhalten. Nur so kann gewährleistet werden, daß die für den Erfolg verantwortlichen IgG-Antikörper und die krankheitsverursachenden IgE-Antikörper gegen dieselben Epitope gerichtet sind.

Üblicherweise arbeitet man bei Temperaturen von 0°C und 4°C, um den Abbau der Allergene durch Proteasen oder Glykosidasen sowie das Wachstum von Bakterien und Pilzen zu vermeiden. Generell wird eine wäßrige Extraktion durchgeführt. Der Herstellungsprozeß führt zu einem Lyophilisat, das keine Konservierungsmittel oder Stabilisatoren enthält. Durch Auflösen entsteht die fertige Therapielösung, die konserviert ist und als Adsorbens das schwerlösliche Aluminiumhydroxid enthält, das die Immunreaktion verstärkt.

Ablauf der Therapie


Die Therapie besteht aus der Einleitungs- oder Steigerungshase und der anschließenden Erhaltungsphase. Während der ersten Phase erhält der Patient zehn bis zwölf Injektionen im Abstand von fünf bis sieben Tagen in unterschwelliger, aber steigender Dosis unter die Haut oder in seltenen Fällen peroral verabreicht. In der Erhaltungsphase werden gleichbleibende Allergendosen im Abstand von vier bis sechs Wochen über mindestens drei Jahre gespritzt. Die höchste Dosis, die Erhaltungsdosis, ist die Menge, die der Patient über einen längeren Zeitraum ohne Beschwerden verträgt.

Bei Pollenallergikern wird die Therapie in drei aufeinanderfolgenden Jahren während der pollenfreien Zeit durchgeführt. Bei einer Bienen- oder Wespengiftallergie bevorzugt man die Schnellhyposensibilisierung: Stationär erhält der Patient für etwa eine Woche vier Injektionen pro Tag mit steigender Dosierung. Der Therapieerfolg kann durch einen Provokationstest kontrolliert werden.

Andere Formen der Immuntherapie


In einer Studie wurden Komplexe aus Milbenallergen und patienteneigenen IgE-Antikörpern injiziert. Die Patienten erhielten über sieben Monate 17 Injektionen des Komplexes in konstanter Menge. In einer anderen Studien inhalierten Asthma-Patienten eine einzige Dosis eines löslichen Interleukin-4-Rezeptors; bei 11 von 17 Patienten besserten sich die Symptome.

Künftige immunologische Therapien setzen auf Hemmung der IgE-Synthese, zum Beispiel über Blockade der B-Zell-ständigen Interleukin-4-Rezeptoren, auf eine Blockade der IgE-Rezeptoren durch Medikamente oder Mini-Antikörper, auf Antikörper gegen IgE oder auf eine genetische Immunisierung.

PZ-Titel von Diethard Baron, Freising

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