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Urheber beeinflusst Qualität
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TikTok liefert oft falsche Infos zur Psyche

Experten warnen vor deutschsprachigen TikTok-Inhalten. Darin sind psychische Symptome häufig verzerrt oder völlig falsch dargestellt. Heilberufler könnten jedoch Abhilfe schaffen, wenn sie selbst Videos produzieren würden.
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 08.04.2026  08:30 Uhr

Millionenfach verbreiten sich Behauptungen, wie »Symptome einer Angststörung: zu viel essen« oder »Narzissten lieben niemanden«. Und das, obwohl die Aussagen wissenschaftlich nicht haltbar sind. Forschende der LVR-Universitätsklinik Essen und der Universität Duisburg-Essen haben fast 180 deutschsprachige Videos der Plattform TikTok analysiert. Insgesamt hatten diese Beiträge gut 94 Millionen Aufrufe.

Es stellte sich heraus: Mehr als die Hälfte der Videos erwies sich als problematisch – entweder waren die Inhalte ganz falsch (33,3 Prozent) oder übergeneralisiert (18,1 Prozent). Lediglich 19,2 Prozent stuften die Forschenden als sachlich richtig ein. Weitere 29,4 Prozent der Beiträge beschränkten sich auf persönliche Erfahrungsberichte ohne fachliche Einordnung.

Ausgewählt hatten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Beiträge zu Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Depression, Autismus, Angststörung, Narzissmus sowie zur posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Die Ergebnisse sind im Fachjournal »Clinical Psychology in Europe« publiziert.

Therapie kann sich verzögern

Deutlich zuverlässiger schnitten Videos von Ärztinnen und Ärzten oder Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten ab. Sie punkteten mit Genauigkeit und Verständlichkeit. Inhalte von selbsternannten Coaches waren hingegen häufig unzureichend recherchiert oder sogar irreführend.

Besonders kritisch sieht das Autorenteam die Plattform-Inhalte für junge Nutzerinnen und Nutzer, die TikTok gezielt zur Selbstinformation nutzen. Fehlinformationen könnten laut Mitteilung der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen zu falschen Selbstdiagnosen oder verzögerten Therapiebeginnen führen.

Die Studienautorinnen und -autoren wünschen sich daher, dass sich medizinische Fachkräfte selbst stärker in sozialen Netzwerken engagieren und eigene qualitativ hochwertige, verständliche Inhalte liefern.

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