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Medikamentenlieferung
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Testflug mit Apotheken-Drohne geglückt

Der Apothekeninhaber Martin Grünthal aus Dessau ist zufrieden: Die heutige Medikamentenlieferung durch eine Drohne, auf der das rote Apotheken-A leuchtete, war erfolgreich.
AutorKontaktdpa
AutorKontaktMelanie Höhn
Datum 11.02.2026  17:00 Uhr

»Das Wetter hat mitgespielt, sodass wir den Testlauf sogar zweimal durchführen konnten«, sagte Grünthal gegenüber der PZ. Damit kann das Forschungsprojekt »Pallidrohne«, das von Grünthal 2024 initiiert wurde und den Mehrwert einer drohnenbasierten Medikamentenlieferung in der Palliativversorgung untersucht, nun weiter fortgesetzt werden. 

Der heutige Flug war der europaweit erste Einsatz einer Apotheken-Drohne zur Auslieferung von Medikamenten in einem bewohnten Gebiet und ist Teil des Forschungsprojekts. Die PZ berichtete bereits über die Hintergründe. Erst kürzlich wurde dem Vorhaben vom Luftfahrt-Bundesamt eine Abwurfgenehmigung erteilt. Durch diese Genehmigung ist es erstmals in Deutschland möglich, dass eine Drohne im Dienst von Apotheken fliegt.

Die Drohne, deren Körper von einem 3D-Drucker hergestellt wurde, startete heute 9 Uhr an der Bär-Apotheke in Dessau nach einer Medikamentenbestellung via App («ADApp«) durch einen Patienten und flog dann etwa drei Kilometer bis zum Anhalt-Hospiz. Dort wurde die kleine braune Transportbox aus etwa zehn Metern Höhe mit den darin enthaltenen Medikamenten abgeworfen und vom Team der spezialisierten ambulante Palliativversorgung (SAPV) des Hospizes und den Projektverantwortlichen in Empfang genommen. Die Drohne wiegt rund acht Kilogramm und trägt die maximal ein Kilo schwere Medikamentenlieferung im Bauch. 

»Die größte Herausforderung war, mit dem Projekt noch weitere Daten zu erfassen«, so Apotheker Grünthal. Sein Forschungsteam wolle nun die bereits erfassten Daten per Botendienst mit den Daten der Drohne vergleichen. »Eine Drohnenlandung am Zielort ist nicht überall möglich und war auch nicht das Ansinnen. Deshalb haben wir die letzte Meile untersucht, wo die Kundinnen und Kunden sind, die nicht geschult sind mit dem Thema Drohne. Und die sollen zukünftig über ihre eigene App selbst ihre Medikamente bestellen und die Möglichkeit haben, die Lieferung per Drohne, Botendienst oder Abholung in der Apotheke auszuwählen«, sagte er gegenüber der PZ.

»Mehrwert für die Patienten, Angehörige und Pflegekräfte«

Das Forschungsprojekt »Pallidrohne« wird im Bündnis »Translationsregion für digitale Gesundheitsversorgung« (TDG) durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert. In dem interdisziplinären Team arbeiten neben Martin Grünthal, Inhaber der Apotheke am Bauhaus in Dessau und Ideengeber, auch der Drohnenentwickler und -Betreiber »Labfly« unter der Leitung von Tim Fischer, die AG Versorgungsforschung der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle (unter Professor Patrick Jahn) sowie die IT-Firma Brain SCC aus Merseburg.

»Wir wollen einen Mehrwert für die Patienten, Angehörigen und Pflegekräfte schaffen«, sagte der Geschäftsführer von Labfly, Tim Fischer. Sein Unternehmen arbeitet seit 2019 an der Möglichkeit, Medikamente aus der Luft abzuwerfen, um so in Zukunft vor allem schwer kranke Patienten im ländlichen Raum medizinisch besser versorgen zu können. Andere Drohnen seines Unternehmens fliegen in der Schwäbischen Alb schon mehrfach täglich Laborproben von Krankenhäusern umher.

Im Rahmen des Projektes soll auch wissenschaftlich untersucht werden, ob eine Drohne gegenüber dem Medikamenten-Transport mit dem Auto wirklich Vorteile hat. Neben der Schnelligkeit und Einfachheit der Bestellung könnte ein entscheidender Vorteil sein, dass die Drohnen vor allem Menschen im ländlichen Raum ermöglichen könnten, länger zu Hause leben und gepflegt werden zu können. Eine Erkenntnis des Forschungsteams ist bislang, dass es in der Versorgung vor allem am Nachmittag, Wochenende und in der Nacht zu Engpässen kommt. Hier soll die Drohne also die entscheidende Abhilfe schaffen.

In der aktuellen Entwicklungsstufe des Projekts existiert nun ein Prozess, über den regelmäßig Medikamente an die Anhaltische Hospiz- und Palliativgesellschaft sowie die Pflegeheime K&S und Avendi in Dessau geliefert werden können.

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