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Neurowissenschaft
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Tagträume können klug oder krank machen

Tagträume gelten oft als Zeichen von Faulheit – dabei steckt jede Menge Potenzial darin. Sie können das Gehirn auf neue Ideen bringen. Aber nur, wenn man sie kontrollieren kann – sonst können die Fantasien auch gefährlich werden.
AutorKontaktPZ
AutorKontaktdpa
Datum 28.07.2025  11:30 Uhr

Nicht selten haben Tagträume ein schlechtes Image. Aber im Alltag sind manche Situationen mitunter so was von ermüdend, dass unsere Gedanken abschweifen können. Zum Beispiel bei einer langen Zugfahrt durch eine karge Landschaft. Oder die endlose Teambesprechung im Job. Oder die wenig packende Rede bei einer Feierlichkeit, bei der sich kein Ende abzeichnet.

Ein schlechtes Gewissen muss man aber nicht haben. Denn Tagträume können durchaus nützlich sein, wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig und der Universität York in England herausfanden. Bestimmte Hirnstrukturen eines Menschen, die für unsere kognitive Kontrolle zuständig sind, arbeiten sogar effektiver zusammen, wenn man seinen Gedanken nachhängt – jedoch nur, wenn dies gezielt geschieht.

Wer seine Tagträume also kontrollieren kann, profitiert davon, betonen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Das bedeutet, sie zu unterdrücken, wenn es wichtig ist und ihnen freien Lauf zu lassen, wenn es möglich ist. So können sie durchaus Konzentration und Leistungsfähigkeit eines Menschen steigern, weil sie für das Gehirn wie ein Kurzurlaub sind. Die Hirnströme wechseln von Beta-Wellen (man ist konzentriert und geistig aktiv) auf Theta-Wellen (man ist tief entspannt). Auch aus der Psychologie weiß man: Beim Loslassen entsteht Raum für Kreativität. 

Trotz aller Entspannung, die das Abschweifen der Gedanken bringt: Tagträume können auch Nachteile haben. Etwa, wenn man tagtäglich zu viel Zeit in Tagträume investiert. Das nennt sich dann maladaptives Tagträumen. Gemeint ist, wenn ein Mensch sich in seinen Tagträumen verliert und dabei den Alltag vergisst oder vernachlässigt. Wer sich dauerhaft in die Fantasien zurückzieht, riskiert jedoch depressive Verstimmungen. Zudem können Betroffene es als belastend empfinden, wenn solche Phasen zu lange anhalten.

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