Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Langzeitanwendung
-
Studie findet keinen Zusammenhang zwischen PPI und Magenkrebs

Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI) setzen den Magen-pH herauf. Seit Langem steht im Raum, ob dies langfristig das Risiko für Magenkrebs erhöht. Eine Beobachtungsstudie über mehr als 20 Jahre fand nun keinen Zusammenhang.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 27.01.2026  17:00 Uhr

Magenkrebs ist die fünfthäufigste Krebsart weltweit. Seit den 1980er-Jahren wird vermutet, dass der langfristige Einsatz von Protonenpumpen-Hemmern ein Risikofaktor sein könnte. Es wird postuliert, dass es zu einer kompensatorischen Überproduktion des Enzyms Gastrin kommt, was wiederum Parietalzellen und enterochromaffin-ähnliche Zellen in der Magenschleimhaut zur Säureproduktion anregt. Diese Zelltypen hyperproliferieren. Das kann zu Magenpolypen führen, von denen einige Zellen enthalten, die malignes Potenzial haben.

So weit die Theorie. Einige Studien zeigten auch ein erhöhtes Risiko für Magenkrebs unter PPI-Anwendung, doch gibt es methodische Bedenken. Die Durchführung einer entsprechend prospektiven, langfristigen, kontrollierten Studie wäre teuer und aufwendig – daher hat nun ein Zusammenschluss von Forschenden mehrerer nordeuropäischer Länder eine großangelegte Auswertung der Gesundheitsdatenbanken aus Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden vorgenommen, gefördert von der Schwedischen Forschungsgesellschaft, der Nordic Cancer Union und der Schwedischen Krebsgesellschaft.

Mehr als 17.000 Krebsfälle verglichen mit mehr als 170.00 Kontrollen

Sie identifizierten 17.232 Patienten mit Magenkrebs und ordneten jedem von ihnen nach Alter, Geschlecht, Kalenderjahr und Land zufällig zehn gesunde Teilnehmer (Kontrollen) aus der Gesamtbevölkerung jedes Landes zu – insgesamt 172.297 Personen.

Anschließend erfassten sie die langfristige Einnahme von PPI und Histamin-2-Rezeptorantagonisten über mindestens ein Jahr unter Ausschluss der zwölf Monate vor dem Diagnosedatum bei den Krebspatienten beziehungsweise dem Datum der Aufnahme in die Studie bei den Kontrollpersonen, um die Meldung einer potenziell falschen Assoziation zu verhindern. Auch weitere Faktoren wie eine Eradikationstherapie von Helicobacter pylori, dem wichtigsten Risikofaktor für Magenkrebs, Magengeschwüre, Rauchen und Alkoholerkrankungen, Übergewicht, Typ-2-Diabetes und die Anwendung bestimmter Medikamente wurden berücksichtigt.

Nach Bereinigung dieser Faktoren fanden die Forschenden keinen Zusammenhang mehr zwischen der langfristigen Einnahme von PPI oder H2-Antagonisten und einem erhöhten Risiko für Magenkrebs, berichten sie im »British Medical Journal«

Zwar erlaube eine Beobachtungsstudie wie diese keine Aussage zu Ursache und Wirkung und es gebe weitere mögliche Einflussfaktoren wie Magenkrebs in der Familienhistorie (wozu keine Informationen vorlagen). Die Forschenden um Professor Dr. Jesper Lagergren vom Karolinska-Institut, Stockholm, betonen jedoch, dass diese multinationale Studie auf bis zu 26 Jahren Registerdaten mit hoher Qualität beruht. 

Ihr Fazit: »Die Ergebnisse dieser Studie stützen nicht die Hypothese, dass die langfristige Einnahme von Protonenpumpen- Hemmern mit einem erhöhten Risiko für Magen-Adenokarzinome verbunden ist. Diese Erkenntnis dürfte Patienten, die eine langfristige Therapie mit PPI benötigen, beruhigen und ist für die Gesundheitsversorgung bei der klinischen Entscheidungsfindung von großem Wert.«

Mehr von Avoxa