Was hilft, wenn der Januar schwer aufs Gemüt schlägt – und warum auch Kinder den Blues spüren können. / © Getty Images/Paulo Amorim
Grau, grau und noch mehr Grau: Ist Ihre Stimmung seit Jahresbeginn auch im Keller? Häufig ist dann von Januar- oder Neujahrsblues die Rede. Aber was steckt dahinter – und was hilft dagegen?
»Wissenschaftlich lässt sich nicht fundiert belegen, dass der Januar der depressivste Monat ist«, so Professor Rupert Conrad, Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum Münster. Dennoch kann man dem Experten zufolge im Januar von einer Phase »erhöhter psychischer Empfindlichkeit« sprechen.
Verschiedene innere und äußere Faktoren tragen dazu bei, dass sich viele Menschen zu Jahresbeginn niedergeschlagen, traurig oder müde und antriebslos fühlen. Dazu zählen der starke Kontrast zu den Feiertagen mit vielen positiven Aktivitäten, der zu Jahresbeginn besonders spürbar ist. Der »Druck des Neuanfangs«: Gute Vorsätze, der Wunsch nach Veränderung – und das Gefühl, selbst mithalten zu müssen. Lichtmangel im Winter und ein dadurch veränderter Hormonhaushalt, der Müdigkeit und gedrückte Stimmung begünstigen kann. Die ruhigere Zeit zum Jahresbeginn, die mehr Raum für Selbstreflexion lässt: »Da werden auch ungelöste Themen deutlicher spürbar«, sagt Conrad.
Gegen den typischen Januar-Blues kann man selbst aktiv werden. Der Mensch lasse sich vor dem Hintergrund seiner Entwicklungsgeschichte als großes Säugetier mit einer gewissen Neigung zum Winterschlaf verstehen, so Conrad. »Jahreszeiten prägen auch unser Leben«, sagt der Klinik-Direktor. Die Akzeptanz und sinnhafte Einordnung dieser Zeit als eine Möglichkeit, Energie zu tanken, kann uns dabei helfen, mit dem Energiemangel besser umzugehen.
Auch Kinder kann der Neujahrsblues treffen. Hinzu kommt, dass sie oft besonders sensibel auf ihre Umgebung reagieren – etwa auf die Stimmung ihrer Eltern. Conrad empfiehlt, auch bei Kindern auf eine feste Tagesstruktur, Bewegung und frische Luft zu achten. Kleine Belohnungen, positive Beschäftigungen oder gemeinsame Familienrituale können ebenfalls unterstützen.
Entscheidend ist zudem eine offene Kommunikation. »Kinder merken, wenn es ihren Eltern nicht gut geht«, sagt Conrad. »Das offen anzusprechen, ist deutlich günstiger, als es zu verschweigen und dem Kind die Spannungen atmosphärisch mitzugeben.«