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Brief an Lauterbach
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Steuerfalle bei Hochpreisern

Hochpreisige Arzneimittel sind für Apotheken schon heute kein besonders lukratives Geschäft: Vorfinanzierung und umsatzbezogene Abgaben fressen die Marge auf, vom Retaxationsrisiko ganz zu schweigen. Zwei Apotheker schreiben in der Sache zum zweiten Mal an Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD).
AutorKontaktAlexander Müller
Datum 05.09.2024  07:08 Uhr

Zahlungsziel bei Privatpatienten

Bei Privatpatienten sieht es demnach nicht besser aus. Bei Direktzahlung fielen die Kreditkartengebühren an, in der Regel erfolge die Zahlung aber ohnehin später, womit die Apotheke das Risiko eines unbekannten Zahlungszieles oder sogar Ausfalls eingehe. Acht Wochen bis zum Zahlungseingang sowie Mahnverfahren gegen die Versicherten seien keine Seltenheit.

Moesgen konkretisierte gegenüber der PZ, dass nicht der einzelne Hochpreise das Problem sei. »Das ist ein kumulativer Effekt«, so der Apotheker. Es gebe Monate, in denen Hochpreiser 50 Prozent des Umsatzes ausmachten. 

Moesgen und Hans hatten sich bereits im September 2023 per Brief an Lauterbach gewandt und auf die Hochpreiser-Problematik hingewiesen und eine Beispielrechnung aus dem August beigefügt. Vier Patienten hatten seinerzeit das Mukoviszidose-Mittel Kaftrio zwischen dem 1. und 10. des Monats erhalten. Gesamtkosten für die Apotheke: Knapp 42.000 Euro – und das bei einem Zahlungsziel von zehn Tagen ohne Skonto. Zusammen mit einer Tasigna-Verordnung im Wert von knapp 20.000 Euro musste ein Betrag von rund 60.000 vorfinanziert werden – der Bankberater habe vom Geschäft abgeraten. Aber das sei Apotheken aufgrund des Kontrahierungszwangs ja nicht erlaubt. Viele Kollegen belieferten bereits unter einem Vorwand die Hochpreiser gar nicht mehr.

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