| Lukas Brockfeld |
| 12.02.2026 15:45 Uhr |
Helena Smolak, Julian Witte, Heidrun Irschik-Hadjieff und Christian Rybak diskutierten über die Preisentwicklung von Arzneimitteln. / © Dietmar Gust
Der globale Warenaustausch wird durch Zölle und Handelskonflikte gestört. Gleichzeitig versucht der US-Präsident ,mit »TrumpRx« und einem »Most Favored Nation« Modell die sehr hohen Medikamentenkosten in seinem Land zu senken.
Auf der »Pharma 2026« Jahrestagung des Handelsblatts wurde daher am Mittwoch über die Auswirkungen der geopolitischen Entwicklungen auf die Spielregeln der Zulassung diskutiert. Hierzu waren Heidrun Irschik-Hadjieff (Vorsitzende der Geschäftsführung von Sanofi), Christian Rybak (Chair Health
Care & Life Sciences Germany bei Greenberg Traurig) und Julian Witte (Autor des AMNOG Reports und Geschäftsführer von Vandage) eingeladen. Die Moderation übernahm Handelsblatt-Redakteurin Helena Smolak.
Schon zu Beginn der Diskussion wurde klar, dass höhere Arzneimittelpreise alleine nicht ausreichen, um die Versorgung in Deutschland langfristig sicherzustellen. »Wir brauchen ein Gesamtpaket, das faire und verlässliche Rahmenbedingungen schafft. In den vergangenen Jahren ist unser System regelmäßig an der Frage der Verlässlichkeit gescheitert. Die Preise sind da nur ein Teil«, erklärte Christian Rybak.
Sanofis Umsätze in den USA sinken aktuell durch einen Preisdeal mit der amerikanischen Regierung. Heidrun Irschik-Hadjieff wünscht sich daher höhere Arzneimittelausgaben von den Europäern. »Es kann nicht sein, dass primär die USA die Ausgaben für Forschung und Entwicklung tragen. Deutschland, Europa und der Rest der Welt müssen ihren Anteil leisten«, so die Sanofi-Chefin. Wenn die deutschen Patienten auch in Zukunft Zugang zu modernen Medikamenten haben sollen, müsse man sich die Frage stellen, was diese wert seien.
Doch es sind nicht nur die globalen Verwerfungen, die die Arzneimittelpreise in die Höhe treiben könnten. Auch das AMNOG-Verfahren, das seit 2011 die Preisgestaltung bei neuen Arzneimitteln regelt, wird vonseiten der Industrie regelmäßig kritisiert. Christian Rybak bemängelte, dass die Grundidee des Verfahrens durch das GKV-Finanzstabilisierungsgesetz untergraben wurde: »Wir zahlen nicht mehr für Nutzen und ich befürchte, dass weitere Gesetzesänderungen die Situation noch schlimmer machen werden.« Grundsätzlich sei er ein großer Freund der Nutzenbewertung, das gegenwärtige Verfahren sei allerdings oft unfair und ungeeignet.
Julian Witte erklärte, dass das AMNOG-Verfahren durch neue große Datenmengen, die beispielsweise durch das European Health Data Space (EHDS) verfügbar werden, besser werden soll. »Das AMNOG-Verfahren wurde aus Unsicherheit eingeführt. Wenn neue Medikamente auf den Markt kommen, haben wir Unsicherheit, ob ihr Preis in einem angemessenen Verhältnis zum Nutzen steht. Dafür werten wir dann Studien und Daten aus.« Doch dieses Prinzip sei durch algorithmische Regelungen verwässert worden. Es brauche daher wieder mehr Fairness und Dynamik. »Dass kann nur mit Daten gelingen«, sagte Witte.
Heidrun Irschik-Hadjieff war sich am Mittwoch sicher, dass die unsichere Weltlage und die Politik von Donald Trump zu Preissteigerungen führen werden, womöglich sogar noch in diesem Jahr. »Wir hatten einen jahrzehntelangen Trend zur Globalisierung, doch jetzt findet ein Trend zu mehr Individualisierung statt. Die Länder schotten sich ab, wollen Souveränität, Unabhängigkeit und Liefersicherheit. Ich glaube aber nicht, dass wir eine einheitliche Landschaft sehen werden. Die Staaten werden für sich entscheiden, ob sie diesen Weg gehen oder nicht«, so die Sanofi-Chefin.
Julian Witte merkte an, dass die Arzneimittelpreise schon jetzt stetig steigen und es in absehbarer Zukunft wohl weiter tun werden. »Doch das Budget der GKV ist endlich. Wir haben in einem überwiegend beitragssatzfinanzierten System nur begrenzte Möglichkeiten, die Kosten nach oben zu ziehen und die noch vorhandenen Spielräume sind begrenzt. Da werden wir bald noch über andere Dinge diskutieren müssen«, so der Autor des AMNOG-Reports.