| Johanna Hauser |
| 05.10.2026 18:00 Uhr |
Ist Aprepitant Teil einer antiemetischen Therapie, verbessert sich deren Wirksamkeit um ungefähr 20 Prozent. / © Getty Images/Witthaya Prasongsin
Wann wird Aprepitant eingesetzt?
Aprepitant wird im Rahmen von Chemotherapien präventiv gegen Übelkeit und Erbrechen eingesetzt. Allerdings ist Aprepitant als Monotherapie bei hoch emetogenen Chemotherapien nicht ausreichend wirksam und muss daher immer mit einem Glucocorticoid und einem 5-HT3-Rezeptorantagonisten kombiniert werden. Aprepitant erhöht die Ansprechrate auf die antiemetische Standardtherapie aus Dexamethason plus Ondansetron um ungefähr 20 Prozent. Es wirkt sowohl auf das akute als auch auf das verzögerte Erbrechen. Diese Wirkung bleibt auch nach mehreren Chemotherapie-Zyklen erhalten.
Wie wirkt Aprepitant?
Neurokinine sind kleine, kurzkettige Neuropeptide, die sowohl im zentralen als auch im peripheren Nervensystem vorkommen und dort über die Bindung an G-Protein-gekoppelte Rezeptoren als Neurotransmitter und Neuromodulatoren fungieren. Die wichtigsten Vertreter sind Substanz P, Neurokinin A und Neurokinin B. Sie spielen bei der neuronalen Steuerung vieler Prozesse eine Rolle. So können sie unter anderem glatte Muskulatur kontrahieren und Drüsen zur Sekretion anregen – vor allem die Bauchspeicheldrüse. Darüber hinaus sind Neurokinine an entzündlichen Prozessen, Migräne und Asthma beteiligt.
Aprepitant ist ein selektiver Antagonist am Neurokinin-1-(NK1-)Rezeptor. Der Wirkstoff passiert die Blut-Hirn-Schranke, bindet im Hirnstamm an NK1-Rezeptoren und verhindert die Bindung von Substanz P. Dadurch unterbindet Aprepitant die Entstehung von Übelkeit und Erbrechen.
Wie wird Aprepitant dosiert?
Die empfohlene Dosierung von Aprepitant beträgt bei Erwachsenen und Jugendlichen ab zwölf Jahren 125 mg an Tag 1 sowie jeweils 80 mg an den Tagen 2 und 3. An Tagen mit Chemotherapie wird Aprepitant eine Stunde vor Beginn der Chemotherapie gegeben, an Tagen ohne Chemotherapie morgens. Kinder zwischen sechs Monaten und unter zwölf Jahren erhalten an Tag 1 eine Dosis von 3 mg/kg Aprepitant (maximal 125 mg) und an den Tagen 2 und 3 jeweils 2 mg/kg Aprepitant (maximal 80 mg). Umfasst die Antiemese auch einen 5-HT3-Rezeptorantagonisten und ein Corticosteroid, wird Letzteres abhängig davon, ob es sich um eine hoch oder moderat emetogene Chemotherapie handelt, unterschiedlich dosiert. Bei Kindern und Jugendlichen wird die Corticosteroid-Dosis bei gleichzeitiger Gabe mit Aprepitant halbiert.
Die Pharmakokinetik von Aprepitant ist nicht linear. Das heißt, die absolute Bioverfügbarkeit nimmt mit steigender Dosierung ab. So liegt die mittlere orale Bioverfügbarkeit für die 80-mg-Dosierung bei circa 67 Prozent, für die 125-mg-Dosierung bei circa 59 Prozent.
Welche Nebenwirkungen kann Aprepitant haben?
Häufige Nebenwirkungen sind verminderter Appetit, Kopfschmerzen, Schluckauf, Obstipation, Dyspepsie, Abgeschlagenheit und erhöhte Alanin-Aminotransferase-Werte. Gelegentlich kann es unter anderem auch zu Anämie, Schwindelgefühl, Hitzewallungen oder Mundtrockenheit kommen.
Welche Wechselwirkungen kann Aprepitant haben?
Aprepitant wird hauptsächlich über CYP3A4 metabolisiert. Bei Patienten mit schwerer Leberinsuffizienz sollte Aprepitant mit Vorsicht angewendet werden. Dasselbe gilt bei Patienten, die gleichzeitig mit CYP3A4-Substraten mit geringer therapeutischer Breite behandelt werden.
Die Wirksamkeit hormoneller Kontrazeptiva kann während und bis 28 Tage nach der Einnahme von Aprepitant vermindert sein. Frauen im gebärfähigen Alter sollten während der Behandlung und bis zu zwei Monate danach eine andere wirksame Verhütungsmethode anwenden.
Was ist in Schwangerschaft und Stillzeit zu beachten?
Aprepitant sollte in der Schwangerschaft nur dann eingesetzt werden, wenn es unbedingt erforderlich ist. Allerdings dürfte sich die Frage nach der Anwendung in der Praxis kaum stellen, da es Patientinnen wegen der teratogenen Wirkung von Zytostatika ohnehin vermeiden sollten, während einer Chemotherapie schwanger zu werden. Während der Behandlung wird das Stillen nicht empfohlen.
Strukturformel Aprepitant / © Wurglics