| Annette Rößler |
| 08.01.2026 16:20 Uhr |
Die Gabe eines Statins senkt das Risiko für Herzinfarkte und andere schwere kardiovaskuläre Ereignisse bei Typ-2-Diabetikern auch dann, wenn das Ausgangsrisiko nur gering ist. / © Adobe Stock/Rasi
Menschen mit Typ-2-Diabetes (T2D) haben durch die Grunderkrankung ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse. Dieses kann jedoch unterschiedlich stark ausgeprägt sein, je nachdem, wie lange der Diabetes bereits besteht und welche weiteren Risikofaktoren vorliegen. Um das persönliche Risiko abzuschätzen, werden im klinischen Alltag Risikorechner wie der QRISK3-Kalkulator verwendet, in den neben dem Alter des Patienten unter anderem auch der Raucherstatus, der BMI sowie Begleiterkrankungen und -medikation eingehen.
Abhängig vom prognostizierten Risiko, innerhalb von zehn Jahren ein kardiovaskuläres (CVD) Ereignis zu erleiden, wird der Einsatz eines Statins empfohlen. Verschiedene Leitlinien sind dabei unterschiedlich rigide in ihren Vorgaben: Während in den USA die American Heart Association und das American College of Cardiology die Gabe eines Statins für alle Menschen mit Diabetes im Alter zwischen 40 und 75 Jahren empfehlen, befürworten in Europa die European Society of Cardiology und die European Atherosclerosis Society die Anwendung nur bei T2D-Patienten mit hohem oder sehr hohem Zehnjahresrisiko.
Die Ergebnisse einer aktuell im Fachjournal »Annals of Internal Medicine« erschienenen Studie sprechen allerdings eher für einen großzügigeren Einsatz der Statine. Ein Autorenteam um Dr. Vincent Ka Chun Yan von der University of Hong Kong nutzte dafür Daten der britischen Datenbank IQVIA, um die Auswirkungen einer Statin-Therapie bei Typ-2-Diabetikern abhängig vom prognostizierten Zehnjahresrisiko zu vergleichen. Eingeschlossen waren insgesamt mehr als 418.000 Personen zwischen 25 und 84 Jahren mit unterschiedlichem Ausgangsrisiko, von denen drei Viertel ein Statin erhielten und ein Viertel nicht. Der Beobachtungszeitraum betrug zehn Jahre.
Vorteile der Statin-Therapie auf die Endpunkte Gesamtsterblichkeit und schweres CVD-Ereignis waren in sämtlichen Risikostrata vorhanden. Bei den Patienten mit niedrigem Ausgangs-Zehnjahresrisiko (<10 Prozent) reduzierte die Therapie das Sterberisiko relativ um 20 Prozent (absolut um 0,53 Prozentpunkte) und das kardiovaskuläre Risiko relativ um 22 Prozent (absolut 0,83 Prozentpunkte). Im Stratum mit mittlerem Ausgangs-Zehnjahresrisiko (10 bis 19 Prozent) betrug der Rückgang des Sterberisikos relativ –29 Prozent (absolut –1,88 Prozentpunkte) und der Rückgang des kardiovaskulären Risikos relativ –28 Prozent (absolut –2,14 Prozentpunkte).
Als potenzieller Nachteil der Therapie zeigte sich lediglich ein geringer Anstieg des Risikos für eine Muskelschwäche (Myopathie) im Stratum der Patienten mit mittlerem Risiko. Das Risiko für eine Leberschwäche war in keinem Stratum erhöht.
Die Autoren leiten aus ihren Ergebnissen die Empfehlung ab, dass Ärzte auch bei T2D-Patienten mit einem niedrigen prognostizierten Zehnjahresrisiko für kardiovaskuläre Erkrankungen den Einsatz eines Statins in Erwägung ziehen sollten.